Altkleider – zwischen Abfall und Entwicklungshilfe

Eine repräsentative Verbraucherbefragung, die das Meinungsforschungsinstitut forsa mit 1001 Teilnehmern durchgeführt hat, zeigt das 86% der Befragten ihre Altkleider zur Kleidersammlung bringen. Die 4 Hauptgründe der 86% werden wie folgt beantwortet:

  1. Weil sie hilfsbedürftige Menschen oder karitative Organisationen unterstützen wollen – 88%
  2. Wei sie möchten, dass die Sachen weitergetragen werden, da sie zum Wegwerfen zu schade sind – 85%
  3. Weil sie zum Umweltschutz beitragen möchten – 54%
  4. Weil sie die Sachen loswerden möchten – 13%

(Die komplette Umfrage können Sie hier herunterladen)

bvse-Umfrage-Altkleider

Eine andere Umfrage, die wir eigenständig unter 200 Teilnehmern durchgeführt haben, kommt zu dem Ergebnis, das 51% der Bevölkerung davon ausgeht, dass die gespendeten Altkleider kostenlos an bedürftige Menschen verteilt werden.

Nur 49% der Befragen wissen was passiert

Nur 49% der Befragen wissen was passiert

Die kostenlose Weitergabe betrifft aber nur einen kleinen Teil der Altkleiderspenden und hat folgende Gründe:

  1. Der Bedarf an kostenloser Kleidung in Deutschland ist um ein vielfaches geringer als das Aufkommen.
  2. Die Deutschen kaufen lieber Neuware. Die Menge von verkäuflicher 2nd Hand Kleidung übersteigt ebenfalls die Nachfrage.
  3. Das Sammeln, Sortieren und Transportieren ins Ausland ist nicht kostenlos, so dass karitative Organisationen weitere finanzielle Mittel aufbringen müssten, um Kleidung z.B. nach Afrika zu verschiffen.
  4. Kostenlose Kleidung in Afrika würde die lokalen Märke und den Handel mit Kleidung zerstören.

Altkleider sind keine Entwicklungshilfe

Als Konsequenz hat sich ein globaler Altkleiderhandel etabliert, welcher auch ökologisch sinnvoll ist, wenn sich die Marktteilnehmer an geltende Bestimmungen und Gesetze halten. Karitative Organisationen profitieren dabei meist durch die Überlassung von Altkleidercontainer und Standortmiete. Mit diesen indirekten Einnahmen aus den Altkleidern können dann soziale Projekt finanziert werden.

Durch die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetz vor zwei Jahren werden Altkleider gesetzlich als Abfall klassifiziert. Diese Neuordnung hat seid der Einführung für viel Bewegung im Altkleidermarkt gesorgt.

Gesetzlich sind alle Altkleider Abfall

Allerdings meist nur bei der Altkleidersammlung, denn hier haben nun prinzipiell Städte und Gemeinden den Vorrang vor privatwirtschaftlichen Unternehmen und karitativen Organisationen. Auf die Verwertung und das Recycling von Altkleidern hat diese Neuordnung hingegen überraschend wenig Auswirkungen. Nach wie vor werden die überschüssigen Altkleider in Sortierbetrieben sortiert und dann exportiert.