Altkleidercontainer in der Nähe finden

Nun schreiben wir seit November letzten Jahres regelmäßig über das Thema Altkleider und versuchen dabei transparent zu machen, was mit einer Altkleiderspende eigentlich passiert, nachdem sie in den Container geworfen wurde. Es ist interessant zu sehen, dass dahinter eine ganze Verwertungsindustrie steckt, angefangen von der Abholung der Container bis hin zum Recycling der Textilien oder dem kontrovers diskutierten Verkauf der Altkleider in Entwicklungsländern. Alle – so scheint es – wollen ein Stück vom Kuchen abhaben. Deshalb beanspruchen neuerdings auch Kommunen das Recht auf die Sammlung von Altkleidern. Doch wo finde ich eigentlich den nächsten Altkleidercontainer in meiner Stadt? Dieser Frage wollen wir in Zukunft verstärkt nachgehen.

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Recycling von Altkleidern (Teil 2)

In unserem ersten Beitrag über das Recycling von Altkleidern ging es um die Wiederverwendung durch den Handel, bei dem die gut erhaltenen Textilien als Second Hand Ware in ferne Länder Osteuropas und Afrikas exportiert und dort verkauft werden. Der Handel macht bei der Verwertung von Altkleidern den mit Abstand größten Teil aus. Allerdings sind etwa die Hälfte der gesammelten Kleider nicht wieder verkauf- bzw. tragbar und gehen daher andere Wege.

Alte Kleider, neue Putzlappen

Die meisten Altkleider, die nicht mehr getragen bzw. verkauft werden können, landen nicht einfach in der Müllverbrennungsanlage. Circa ein Viertel der gespendeten Kleidung wird zu neuem Leben erweckt – und zwar als textiles Reinigungsmaterial. So werden diese ausgedienten Textilien von speziellen Recyclingunternehmen nach Farben und Qualitäten sortiert, von Knöpfen, Reißverschlüssen, Ösen u. ä. befreit, zu handlichen Größen zugeschnitten und massenweise in Pressballen an Industriebetriebe verkauft.

Altkleider werden als Putzlappen recycelt und wiederverwendet

Palette mit Altkleider-Putzlappen

Dort werden die alten Klamotten als Putztücher für die unterschiedlichsten Putzarbeiten verwendet. Zum Einsatz kommen die Lappen im Maschinenbau, bei der Maschinen- und Tankreinigung, in Lackierereien, der Feinmechanik, in Druckereien, in Werkstätten allgemein usw. Je nach Anforderung und Einsatzzweck werden unterschiedliche Alttextilien für die Putzlappenherstellung verwendet und unterscheiden sich dementsprechend auch im Preis. Baumwollware aus T-Shirts, Sweatshirts, Nachtwäsche und Unterwäsche kann beispielsweise als Universaltuch für mittlere und grobe Putzarbeiten benutzt werden und eignet sich besonders zur Aufnahme von Ölen und Schmierstoffen.

Es gibt sogar eine Norm (DIN 61650) für so genannte Einweg-Industrieputzlappen, die aus Altkleidern hergestellt werden. Mehrweg-Putzlappen aus Altkleidern können mehrfach wiederverwendet werden. Sie bestehen aus strapazierfähigerem Material und werden in der Regel vermietet. Der Vermieter kümmert sich hierbei um die Wiederaufbereitung – also die Reinigung und Entfernung von Fremdstoffen wie Metallspänen. Ebenfalls übernimmt er die Entsorgung der gebrauchten und nicht mehr verwendbaren Putzlappen.

Altkleiderspenden kontrovers bei NDR und ZDF

Zwischen den beiden Reportagen über das Spenden von Altkleidern des NDR bzw. der ARD Die Altkleider-Lüge – wie Spenden zum Geschäft werden (2011) und der des ZDF Die Masche mit den alten Kleidern (2012) liegt nur ein Jahr. Dies kann aber nicht der Grund dafür sein, dass sich die Grundaussagen der beiden Dokumentationen deutlich voneinander unterscheiden. Insbesondere wird die Vorgehensweise bei der Einsammlung der Altkleiderspenden durch karitative Verbände wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Malteser Hilfsdienst oder der Caritas anders beurteilt. Der größte Unterschied liegt jedoch in der Bewertung der  ökonomischen und sozialen Auswirkungen von Altkleiderspenden aus wohlhabenden Ländern auf die Empfängerländer in Osteuropa und Afrika.

Die Masche mit Altkleidern

Spenden der Altkleider wird nachgegangen

Die Thesen

Schon der reißerische Titel macht deutlich, was die Botschaft der Dokumentation des NDR sein soll: Ahnungslose Spender würden unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit hinters Licht geführt. Ihre Kleidung käme nicht bei Hilfsbedürftigen an, sondern werde mit Hilfe von Unternehmen wie der SOEX Group bzw. ihrer Tochter EFIBA in Entwicklungsländern skrupellos zu Geld gemacht. Mit dem Altkleiderhandel werde zudem die heimische Textilindustrie in afrikanischen Staaten wie Tansania, wo die Nachfrage nach Altkleidern besonders hoch ist, zerstört. Dies hinge damit zusammen, dass Händler aus Deutschland und anderen Geberländern diese Märkte mit Textilien aus Altkleiderspenden zu konkurrenzlos niedrigen Preisen überfluteten. Dies hätte die einheimische Textilindustrie in den Ruin getrieben, sowie viele Arbeitsplätze und Existenzen zerstört.

Im Bericht des ZDF widerspricht Andreas Voget des Dachverbandes FairWertung, der sich für mehr Transparenz und Verantwortlichkeit beim Sammeln und Verwerten von gebrauchter Kleidung einsetzt, diesem Sachverhalt und betont die ökologische Sinnhaftigkeit von Kleiderspenden. Demnach sei die Wiederverwendung von Altkleidern eine gute Sache, denn die Produktion von neuen Textilien verschlucke Unmengen an Ressourcen und bei der Herstellung müssten viele Chemikalien und Pestizide eingesetzt werden. Aus Abfall neues zu produzieren, hieße auch Abfall zu reduzieren. Die einheimischen Textilbetriebe seien aufgrund der allgemeinen Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt Pleite gegangen – nicht durch den Handel mit Altkleidern. Daneben schaffe der Altkleiderhandel Arbeitsplätze und Erlösquellen, z. B. für Markthändler, Änderungsschneidereien oder 2nd Hand Läden.

Die Reaktionen

Insbesondere die Reportage des NDR veranlasste einige Organisationen aus der Altkleiderverwertungskette dazu, ihre eigene Sichtweise zu diesem Thema klarzustellen. So veröffentlichte der DRK-Bundesverband beispielsweise eine Stellungnahme auf seiner Website, um den Vorurteilen hinsichtlich der “Altkleider-Lüge” entgegenzuwirken. Hierin wird die Wichtigkeit von Altkleiderspenden zur Finanzierung der ehrenamtlichen Arbeit des DRK betont. Auch das DRK beruft sich in seiner Stellungname auf die Studien des Dachverbandes FairWertung und betont neben der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, dass der Altkleiderhandel in Ländern wie Tansania und Kamerun gerade den Armen der Bevölkerung ermögliche, sich vergleichsweise kostengünstig mit guter Bekleidung zu versorgen.

Gleichzeitig wird jedoch darauf verwiesen, dass letztlich jeder einzelne regionale DRK-Verband selbst darüber entscheide, was mit den gespendeten Altkleidern passiert – also in welcher Form diese verwertet werden und wohin genau die daraus gewonnenen Erträge fließen. Dies wird sowohl in der Dokumentation des NDR als auch des ZDF kritisiert, da die Transparenz der Altkleiderspende beim Deutschen Roten Kreuz wie bei anderen Hilfsorganisationen darunter leide, dass Spender nicht ausreichend (z. B. durch eindeutige Beschriftungen auf Altkleidercontainern) über die Verwertung der Textilien informiert würden und jeder Ortsverband etwas anderes damit tue. Das DRK gelobt in seinem Schreiben Besserung und hält seine regionalen Verbände an, das Transparenzproblem durch klare und offene Kommunikation hinsichtlich der Altkleiderverwendung zu entschärfen.

Altkleiderspenden – Container auf für unser neuestes Projekt

Altkleiderspenden.de verfolgt das Ziel, das Thema rund um die Verwertung von Altkleidern – insbesondere über den Weg der Altkleiderspende – für alle transparenter zu machen. Was mit der Kleiderspende nach dem Einwurf in den Altkleidercontainer oder nach der Altkleidersammlung passiert, wissen nur die wenigsten. Darüber möchten wir in diesem Blog berichten.

Altkleider spenden Afrika

Zur Relevanz von Altkleiderspenden

In Deutschland werden jährlich etwa 750.000 Tonnen davon gesammelt bzw. in Container geworfen. Die meisten Spender gehen davon aus, dass ihre alten Textilien ausschließlich an hilfsbedürftige Menschen direkt in Deutschland oder in Entwicklungsländern verteilt wird. Ein weit verbreiteter Irrglaube, denn die jährliche Sammelmenge übersteigt bei Weitem den Bedarf für karitative Zwecke. Der überwiegende Teil der gesammelten Bekleidung wird daher an Textilverwerter im In- und Ausland verkauft. Die mangelnde Transparenz von karitativen Einrichtungen bezüglich der Verwendung von Altkleiderspenden stößt dabei immer wieder auf Kritik. Darüber hinaus wird auch zunehmend über die Auswirkung des Altkleiderhandels auf Entwicklungsländer kontrovers diskutiert.

Ein weiteres Problem ist der generelle Umgang mit gebrauchter Kleidung in unserer Gesellschaft. Viele Menschen sind sich des Wertes ihrer alten Klamotten nicht bewusst und sparen sich den Gang zu einer der vielen Container und Sammelstationen. Sie werfen ihre aussortierten Altkleider einfach in den Restmüll. Dies wirft insbesondere Fragen hinsichtlich der Nachhaltigkeit des Konsumverhaltens auf der einen und des Produzentenverhaltens in der Textilindustrie auf der anderen Seite auf.

Warum altkleiderspenden.de?

Mit unserer Website haben wir eine neue Informationsplattform ins Leben gerufen, die sich mit dem Thema Altkleiderverwertung im Allgemeinen und Altkleiderspenden im Besonderen beschäftigt und von allen Seiten beleuchtet bzw. diskutiert. Warum wir das tun? Wir möchten die Thematik in erster Linie selbst besser verstehen. Der Handel mit dem gebrauchten Gut fasziniert uns. Dank unserer Reisen durch Asien und Afrika abseits der Wohlstandswelt, kennen wir den Altkleidermarkt am anderen Ende der Second Hand Wertschöpfungskette.

Durch die Veröffentlichung unserer Recherchen möchten wir gleichzeitig dazu beitragen, das was zumeist im Hintergrund geschieht für alle anderen offenzulegen und transparenter zu machen. Wir hoffen Menschen für das Thema sensibilisieren, vielleicht sogar begeistern zu können und lebhafte Diskussionen anzuregen.