Schaden unsere Altkleiderexporte?

Es ist die Gretchenfrage der Altkleiderverwertung: Sind die negativen Auswirkungen der Altkleiderexporte größer als ihr Nutzen?

Rund die Hälfte der in Deutschland gesammelten Altkleider sind noch tragbar und werden in osteuropäische, afrikanische oder asiatische Länder importiert. Das dies ein großer Beitrag zum Umweltschutz ist, stößt auf breite Zustimmung. Dadurch werden wertvolle Ressourcen geschont und die Herstellung von Neuware in menschenunwürdigen Arbeitsverhältnissen reduziert.

Simbabwe verbietet Import von Altkleidern

Patrick-Chinamasa

Finanzminister Chinamasa kündigt Verbot für Altkleiderimporte zum 1.9.2015 an

Die ökonomischen Auswirkungen auf Importländer wird dagegen immer wieder kontrovers diskutiert. Hier in Deutschland, aber eben auch in den direkt betroffenen Ländern. Ende Juli hat Simbabwe ein Importverbot auf gebrauchte Kleidung und Schuhe erlassen. Der Finanzminister Patrick Chinamasa begründete das Verbot mit der Gesundheitsgefahr, die von gebrauchten Kleidern ausgehe, da Geschlechtskrankheiten wie Filzläuse übertragen werden könnten. Außerdem sei es menschenunwürdig gebrauchte Kleidung zu tragen, so der Minister weiter.

Erst weitere Berichte veröffentlichten die z.B. auch aus Tansania bekannte Argumentation, dass es auch um den Schutz der lokalen Textilindustrie und den Einzelhandel (die Neuware verkaufen) ginge.

Massive Kritik der Bevölkerung

Seit dieser Ankündigung macht sich massive Kritik innerhalb des Landes breit. Insbesondere wirft die Opposition der Regierung bloße “Symptom-Behandlung” vor. Die verbreitete Armut und hohe Arbeitslosigkeit sind die Ursache für den Boom des Altkleiderhandels. Durch ein generelles Verbot kann sich ein Großteil der Bevölkerung überhaupt keine Kleidung mehr leisten und müsse wieder in wirklich menschenunwürdiger Kleidung oder gar nackt herumlaufen.

Auch würden tausende von kleinen Altkleiderhändlern ihr Einkommen verlieren und aus Mangel von alternativen arbeitslos sein.

Die schützenswerte Textilindustrie in Simbabwe ist so gut wie nicht vorhanden. Es würde Jahre dauern, bis  ist in diese aufgebaut ist und es ist jetzt schon absehbar, dass diese mit der Neuware aus den Textilfabriken Asiens nicht konkurrieren können wird. Auch der Einzelhandel von Neuware ist bereits jetzt schon größtenteils in chinesischer Hand, durch ein Verbot der Altkleiderimporte würden diese Händler besonders profitieren.

Betroffene Händler fordern zumindest einen Kompromiss, der z.B. das generelle Verbot aufhebt und nur für Unterwäsche gilt.

CCTV Afrika zeigt in dieser kurzen Reportage wie Händler jetzt schon die Importzölle umgehen und wie die Betroffenen auf das Vorhaben der Regierung reagieren.

Weitere Links zum Thema:

The Standard (Simbabwe) “Govt must lift ban on sale of used clothes”

NewsDay (Simbabwe) “Second-hand clothes, shoes ban backfires”

Die Zeit (Deutschland) “Simbabwe verbietet Import von Altkleidern”

 

 

 

Neue Umfrage zur Entsorgung von Altkleidern

NUR 72% machen den Weg zum Altkleidercontainer oder zur Kleiderkammer!? Dies ist das Ergebnis eine repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts youGov unter 1187 Personen in Deutschland. 

Bei den genannten Antwortmöglichkeiten wird “Verschenken”, “Verkaufen” und “Aufheben” am häufigsten genannt (siehe Graphik). Bei diesen Option verzögert sich die “Entsorgung” aber eigentlich nur, denn irgendwann will es kein Freund oder Käufer mehr haben, bzw. auch der Dachboden/Keller platzt aus allen Nähten. Neben der kaum genannten Möglichkeit, die Kleidung in Geschäften abzugeben, bleibt dann wieder nur die Spende oder der Restmüll.

altkleider-entsorgung

Bequem aber meist falsch: Ab in den Restmüll

Laut Umfrage nutzen 21% den Restmüll als Entsorgungsmöglichkeit für ihre alte Kleidung und Schuhe. Zweifelsfrei ist die Entsorgung über den Restmüll die bequemste Methode um die Altkleider loszuwerden. Es gibt auch Alttextilen, die in den Restmüll gehören. Dreckige Schuhe, Arbeitsklamotten (z.B. mit Farbe oder Öl beschmiert) und ungewaschene Unterwäsche würden die guten Altkleider in dem Container beschmutzen – also ab damit in die Tonne.

Müllanalysen zeigen aber immer wieder, dass viele noch verwertbare Kleidungsstücke in den Restmüll gelangen. Neben der Bequemlichkeit ist aber auch die Unsicherheit über die Auswirkungen der Kleiderspende ein Grund, warum viele Menschen den Weg zum Container verweigern.

Bedenken über Auswirkungen als Rechtfertigung für häufige Entsorgung im Müll?

Aktuelle Bedenken über vermeidlich negative Auswirkungen einer Kleiderspende lassen sich grob in zwei Strömungen einteilen.

  1. Altkleiderexporte richten einen Schaden bei der ausländischen Textilindustrie an
  2. Unternehmen bereichern sich durch Vortäuschung einer Gemeinnützigkeit

Zu 1. Die z.B. in der Reportage des NDR aufgeführten Argumente und Szenerien (Altkleiderexporte zerstörten die Textilwirtschaft in Tansania) wurden bereits mehrfach widerlegt.

Zu 2. Es gibt in Deutschland tatsächlich einige Unternehmen, die mit Altkleidern unseriöse Geschäfte machen und sich daran bereichern. Um diese Unternehmen nicht zu unterstützen, sollte man bei der Auswahl des Containers insbesondere auf korrekte Kontaktinformationen achten. Straßensammlung, die nicht von karitativen Organisationen oder bekannten lokalen Vereinen durchgeführt werden, sollten Sie prinzipiell meiden.

Diese Bedenken sollten Sie nicht von einer Altkleiderspende abhalten. Denn die Altkleiderspende ist ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz.

Bei den hier aufgelisteten Altkleidercontainern können Sie sich sicher sein, dass Ihre Kleidung bestmöglich recycelt wird.

“Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht”

Europäische Woche der Abfallvermeidung (EWAV)

Europäische Woche der Abfallvermeidung (EWAV)

Unter dem Motto “Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht” findet jährlich die Europäische Woche der Abfallvermeidung (EWAV) statt. Diesmal vom 22.11. – 30.11.2014. Dieses Motto ist auch der Grundstein unserer Idee: Denn wir von altkleiderspenden.de haben unser Projekt ins Leben gerufen, um die Entsorgung von Altkleidern über den Hausmüll zu reduzieren. Auch wenn inzwischen Altkleider als Abfälle kategorisiert werden, so macht es einen großen Unterschied, ob Altkleider in den Hausmüll geworfen werden oder über Altkleidercontainer bzw. Kleiderkammern “entsorgt” bzw. “gespendet” werden.

Sind Altkleider wirklich Abfälle?

Ja, Altkleider werden nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz ( § 3 KrWG) als Abfälle eingestuft. Doch in den Hausmüll gehören sie meist trotzdem nicht. Diese Ansicht vertritt auch ein Großteil der Bevölkerung, wie eine Studie des BVSE  zeigt. Aber die Praxis sieht anders aus: Es landen immer noch sehr große Mengen an Altkleidern in den Mülltonnen. In Hamburg wurden 2013 pro Einwohner 8 kg Altkleider weggeworfen und unsortiert verbrannt bzw. deponiert. Dies ist eine enorme Ressourcenverschwendung! Liebe Hamburger, Hier sind die Standorte…

Abfälle reduzieren durch Recycling

Die Herstellung von Kleidung ist sehr ressourcenintensiv.  Hoher Wasserverbrauch für die Baumwollherstellung, Chemikalien für die Textilverarbeitung und unwürdige Arbeitsverhältnisse der Näher/Innen sind die Begleiterscheinungen fast jeder Neuanschaffung. Deswegen können Sie Abfall vermeiden und die Umwelt am meisten schonen, indem Sie nur kaufen was Sie wirklich benötigen. Oder kaufen Sie doch mal auf Flohmärkten, in Tauschbörsen oder in 2nd-Hand-Läden, dass schont auch noch Ihren Geldbeutel.

Altkleider in nur legale Altkleidercontainer werfen

Wenn Sie Kleidung haben, die Sie nicht mehr tragen, warten Sie nicht 10 Jahre bis Sie sie entsorgen. Je aktueller die Mode, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass jemand Ihre Kleidung weitertragen möchte. Werfen Sie brauchbare Kleidung in einen legalen Altkleidercontainer oder bringen Sie Ihre Säcke zur Kleiderkammer. Sie tun nicht nur der Umwelt etwas Gutes, auch die Aufsteller der Altkleidercontainer profitieren von Ihrem Einwurf. Pro Kilogramm “spenden” Sie ca. 30-40 Cent an die Organisation. Achten Sie daher auf die Seriosität des Sammelunternehmens oder prüfen Sie, ob der Altkleidercontainer auf www.altkleiderspenden.de zu finden ist, denn hier werden nur legale Altkleidercontainer gelistet.

Cleveres Altkleiderspenden – Wissenswertes und Tipps

Das Frühjahr hat begonnen und mit diesem steht das Ausmisten des Kleiderschranks bevor. Sich von Kleidung zu trennen, ist für viele (Frauen) nicht einfach. An vielen Teilen hängt ein Stück Erinnerung, an manchen sogar noch das Preisschild. Nach einem Jahr oder weniger getragen – ist die Jeans oder der Pulli oldfashioned geworden, nur wohin damit?

Spenden macht Sinn

In den nächsten Altkleidercontainer um die Ecke? Oder gibt es noch andere Alternativen? Auf jeden Fall spenden, denn Altkleider helfen Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen, indem z. B. der Wasserverbrauch durch künstliche Bewässerung bei der Kleiderherstellung verringert wird. Aus alten Klamotten können Teppiche, neue Kleidung oder Putzlappen hergestellt und weiterverkauft werden – Textilrecyling fördert einen nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen.

Das Geschäft mit den Altkleidern

Da die Sammlung der Altkleider ein lukratives Geschäft ist, werden vermehrt illegale Container in Wohngegenden aufgestellt. Wenn überhaupt, dann nur mit einer (nicht erreichbaren) Handynummer versehen, aber nie einer seriösen Organisation zugehörig. Finger weg von solchen Containern! Aber auch der Einwurf in einen Container mit dem Namen einer karitativen Einrichtung garantiert noch nicht, dass ihre Altkleiderspende kostenlos dorthin geht, wo wir sie vermuten.

Karitative Organisationen beauftragen in der Regel professionellen Sortierbetriebe wie die Soex Group, die sich um das Entleeren, Sortieren und Weiterverkaufen kümmern. Erstere bekommen von den Erlösen nur einen kleinen Teil und können damit ihre sozialen Projekte finanzieren. Die Kleidung landet zwar oft in Afrika, sie wird jedoch nicht kostenlos an die Menschen dort verteilt – das sollte jedem klar sein. Die Altkleider aus Deutschland werden auf den afrikanischen Märkten zwar relativ günstig angeboten – z.B. 1-2 Euro für ein T-Shirt, 5 Euro für eine Jeans – aber die wirklich Bedürftigen können sich selbst das nicht leisten.

Ist der Secondhandladen die bessere Wahl?

Auch die Abgabe in Kleiderkammern oder Secondhandläden garantiert nicht, dass die Kleidung kostenlos an Bedürftige gegeben wird. Überschüssige und gut erhaltene Kleidung geht auch hier über Sortierbetriebe nach Osteuropa und Afrika. Kleiderkammern oder Secondhandläden wollen oft nur die richtig gut erhaltenen Stücke, den Rest nehmen sie gar nicht erst an. Aber nicht mehr tragbare Kleidung wird zu Dämmstoffen und Putzlappen verarbeitet und gehört damit nicht in den Hausmüll. Nur stark verschmutze Kleidung, einzelne Schuhe oder Kunststoffdecken gehören nicht in den Altkleidercontainer.

Wie Sie “schlechte” Altkleidercontainer erkennen – oder eben nicht

Wem es nicht egal ist, wem die Altkleiderspende überlassen wird, hat es zurzeit nicht leicht. Viele  Recyclingunternehmen operieren unter einem Deckmantel der Wohltätigkeit, um mehr Altkleider zu sammeln. Ihre Spende hat daher je nach Organisation einen unterschiedlichen sozialen Wert.  In unserer Rubrik Altkleidercontainer finden Sie daher nur “saubere Container”. Falls Sie dort noch keinen Altkleidercontainer in Ihrer Nähe finden, haben wir hier die typischen Vorgehensweisen der Unternehmen aufgelistet, die Spender von einer meist nicht vorhandenen Gemeinnützigkeit überzeugen sollen:

1. Aufmachung der Container im “karitativen Look”

Rotes Kreuz auf Altkleiderconatiner

Rotes Kreuz auf Altkleiderconatiner bedeutet nicht, dass das DRK dahinter steckt

Rote Schrift auf weißem Grund sollen beim Spender eine karitative Organisation, wie das DRK oder die Malteser assoziieren  Hinzu kommen Symbole und Sologans, welche ebenfalls an die Gemeinnützigkeit der Sammelorganisation glauben lassen sollen.

Sehr beliebte Symbole sind dabei nicht nur das rote Kreuz auf weißem Hintergrund, sondern auch Engel in jeder Form oder natürlich die Weltkugel mit Umweltsymbolen.

Die irreführenden Slogans sind beispielsweise:

  • „Hilfe für Flutopfer“
  • „Helfen Sie, damit wir helfen können.“
  • “Kleidung für Afrika”

Hinzu kommt, dass auf den Container außer diesen Aufklebern keine oder falsche Kontaktdaten zu finden sind. Der Name (z.B. Babynothilfe, Roter Ring Kinderhilfe) ist oft zusätzlich mit einem e.V. versehen, um so erneut die Gemeinnützigkeit zu untermauern. Die Kleidung, die in diesen Containern landet, wird zu 100% verkauft und die Gewinne fließen an allen sozialen Projekten und Organisationen vorbei.

2. Illegale aufgestellte Altkleidercontainer

Illegal aufgestellte Altkleidercontainer sind kaum zu erkennen. Unternehmen stellen immer wieder ihre Altkleidercontainer unangemeldet in Stadtgebieten auf und hoffen möglichst lange nicht durch das zuständige Ordnungsamt entdeckt zu werden. Dabei wählen die Unternehmen oft Standorte im öffentlichen Raum mit hohem Durchgangsverkehr, wie zum Beispiel Ausfahrtsstraßen, Stadtzentren oder die Nähe eines Einkaufszentrums. Insbesondere wenn der Container gerade erst an diesem Standort aufgestellt wurde, sollte ihr Mistrauen groß sein, denn illegale Altkleidercontainer kommen und gehen schneller als legale.

illegaler Altkleidercontainer an Ausfahrtsstrasse

illegaler Altkleidercontainer an Ausfahrtsstrasse

3. Altkleidercontainer auf privater Gewerbefläche

Altkleidercontainer-gewerbeflaeche

Altkleidercontainer auf einer Gewerbeflaeche

Altkleidercontainer auf privatem Gelände sind meistens legal, werden aber von profit-orientierten Unternehmen betrieben . Es besteht ein Vertrag zwischen dem Betreiber des Altkleidercontainers und dem Grundstückseigentümer. Standorte für diese gewerblichen Container sind meist Parkplätze von Supermärkten oder Einkaufszentren.

Auch bei diesen Containern fließt der Wert Ihrer Altkleiderspende vollständig an den Textilrecycler sowie den Besitzer der Gewerbefläche, welche eine Mieteinnahme für den Altkleidercontainer bekommt.

 

4. Logovermietung für Altkleidercontainer

Altkleidercontainer-look

Logovermietung bei Altkleidercontainern

Der Logoverkauf oder die Logovermietung ist bei Altkleidercontainern weit verbreitet. Für viele karitative Organisationen lohnt es sich nicht die Altkleidercontainer selbst zu betreiben. Aufstellen, ausleeren und sortien lohnt sich nicht für alle Verbände. Trotzdem können sie Geld verdienen, in dem karitativen Organisationen ihr Logo und ihren Schriftzug für 5-15 Euro pro Monat und Container vermieten. Die Einrichtungen selbst haben mit dem Sammeln der Kleidung dann nichts mehr zu tun. Positiv ist, dass die karitativen Organisationen dabei nicht komplett leer ausgehen, auf der anderen Seite wissen sie oft gar nicht, wo die Textilien später landen. Dies ist natürliche eine enorme Täuschung des Altkleiderspenders, der auch überhaupt keine Chance hat, diesen (leider legalen) Etikettenchwindel zu durchschauen.

WDR: H&M gewinnt Geld und Kunden durch Altkleider

Die Kritik an der Altkleidersammlung des schwedischen Modekonzerns H&M geht weiter. Der WDR zeigte gestern einen Beitrag indem die Modekette als starke Konkurrenz für karitative Altkleidersammler dargestellt wurde.

Modekette sammelt Altkleider gegen Gutschein

H&M Altkleider

H&M “Knallharte Berechnung auf dem Altkleidermarkt”

Der Modekonzern verspricht mit der Altkleider-Sammlung Forschung und soziale Projekte zu unterstützen. Leider auf Kosten anderer Projekte, die durch die Erlöse caritativer Kleidersammlung gefördert werden. An den Altkleidern sind nämlich auch gemeinnützige Sammler interessiert (DRK, Malteser, Aktion Hoffnung, u.v.m.). Secondhand-Läden, Kleiderkammern und Sozialkaufhäuser finanzieren so ihren eigenen Arbeitsplatz und unterstützen mit dem Erlös Bedürftige. “Die kriegen jetzt alle Konkurrenz durch diese Weltkonzerne, die sowieso ihren Reibach machen und ihre Schäfchen im Trockenen haben”, glaubt Julia Boiger von der Münchener Diakonie.

“Uns als Aktion Hoffnung tut es uns weh. Wir sammeln inzwischen zum ersten Mal in unserer Geschichte weniger Kleidung und wir wollen mit den Erlösen unsere Projekte in Afrika, Südamerika und Osteuropa unterstützen und das können wir nicht mehr, wenn viele illegale Kleiderbehälter uns die Kleider weg sammeln”, beklagt Uhl von der Aktion Hoffnung.

 

H&M sammelt Altkleider – für welchen Zweck?

Seit gestern können Altkleider bei der Modekette H&M abgegeben werden. Pro Tüte Altkleider bekommt man 15% Rabatt auf ein Kleidungsstück seiner Wahl. Nicht in jeder Filale können die Altkleider abgegeben werden. Die 80 Teilnehmenden Sores finden Sie am Ende dieses Beitrages.
Welchen Sinn und Zweck H&M damit verfolgt wurde in der Öffentlichkeit in den letzten Wochen intensiv diskutiert. Zum einen nennt H&M Umweltschutz, Nachhaltigkeit und karitative Zwecke auf der anderen Seite vermuten Journalisten Greenwashing, Neukundengewinnung und Zusatzgeschäft hinter der Kampagne.

Kunden können jetzt ihre Altkleider bei H&M abgeben

H&M sammelt Altkleider

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Lübeck stellt Altkleidercontainer auf – Kein Export nach Afrika

Nachdem bereits die Städte Jena, Köln und Bocholt angekündigt haben ins Altkleidergeschäft einzusteigen, will auch die Hansestadt Lübeck die Altkleiderentsorgung bald städtisch verwalten. Die Entsorgungsbetriebe Lübeck (ELB) wollen nach aktuellen Zeitungsberichten das lukrative Geschäft noch in diesem Jahr übernehmen und hunderte Altkleidercontainer in Lübeck aufstellen. Das besondere in diesem Fall ist, dass der  zuständige Innen- und Umweltsenator Bernd Möller (Grüne) folgendermaßen zitiert wird:

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Altkleidersammlung durch das Deutsche Rote Kreuz – 12 Mio. Euro Einnahmen jährlich

Altkleidersammlungen durch das Deutsche Rote Kreuz

Altkleidersammlungen durch das Deutsche Rote Kreuz

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) veröffentlicht im Zuge der „Transparenz-Initiative Altkleider“ Eckdaten zur Altkleidersammlung und nimmt Stellung zu Fragen rund um das Geschäft mit den Altkleidern.

Rund 12% aller Altkleiderspenden in Deutschland werden an das Deutsche Rote Kreuz gespendet

Nach eigenen Angaben sammelt das DRK 80.000 bis 100.000 Tonnen Altkleider pro Jahr.  Daraus ergebe sich ein deutschlandweiter Überschuss von 12 Mio. Euro per Annum.  Aus einer Tonne gesammelter Kleidung entstünde dem DRK daher ein durchschnittlicher Gewinn von ca. 133 Euro. Mit diesem Geld könnten soziale Projekte im Katastrophenschutz, in der Altenhilfe oder im Bereich des Jugendrotkreuz finanziert werden.

Im Gegensatz zu gewerblichen Sammlern, spende das DRK einen Teil (ca. 4%) der gesammelten Textilien direkt an Kleiderkammern, die die gebrauchte Kleidung wiederum bedürftigen Mitbürgern kostenlos bzw. gegen eine geringe Schutzgebühr zur Verfügung stellten. Der restliche Anteil der Altkleider werde über Partnerunternehmen verwertet. Auf die weitere Verwendung der Altkleider hat das DRK damit keinen Einfluss mehr.

“Die Vorwürfe, Altkleiderexporte hätten die Textilindustrie in afrikanischen Ländern ruiniert, gelten heute als überholt.”

Des Weiteren bezieht das DRK Stellung zu der zentralen Kritik, dass der Altkleider-Export die lokale Textilproduktion in Teilen Afrikas zerstört habe. Laut DRK haben Studien und Gutachten ergeben, dass der Rückgang der lokalen Textilproduktion z.B. in Tansania seit den 80er Jahren produktionsbedingte Gründe hat. Dazu gehören

  • häufiger Stromausfall,
  • unregelmäßige Wasserversorgung,
  • keine Ersatzteile für Maschinen
  • und die Streichung von Subventionen

für dort ansässige Textilunternehmen. Nicht die Altkleider aus Amerika und Europa, sondern vielmehr Neuware aus Asien setzten die lokale Textilindustrie durch niedrige Preise massiv unter Druck. Dass die lokale Textilindustrie kaum konkurrenzfähig sei ließe sich daran erkennen, dass Kleidungsstücke, die nicht durch Altkleiderimporte gedeckt werden (z.B. Schuluniformen oder Unterwäsche), nicht lokal produziert und stattdessen aus Asien importiert würden.

Global betrachtet würden durch die Wiederverwendung von Altkleidern Ressourcen eingespart und so die Umwelt geschont. Auch entstünden in exportierenden Ländern wie Deutschland wie auch in den Empfängerländern Afrikas zahlreiche Arbeitsplätze. Daher sei es wichtig, dass die Bürger in Deutschland weiterhin Altkleidercontainer oder Straßensammlungen nutzen und nicht aus Unsicherheit etwas kontraproduktives tun, beispielsweise ihre ausrangierten Kleider im Hausmüll entsorgen.

Altkleiderspenden kontrovers bei NDR und ZDF

Zwischen den beiden Reportagen über das Spenden von Altkleidern des NDR bzw. der ARD Die Altkleider-Lüge – wie Spenden zum Geschäft werden (2011) und der des ZDF Die Masche mit den alten Kleidern (2012) liegt nur ein Jahr. Dies kann aber nicht der Grund dafür sein, dass sich die Grundaussagen der beiden Dokumentationen deutlich voneinander unterscheiden. Insbesondere wird die Vorgehensweise bei der Einsammlung der Altkleiderspenden durch karitative Verbände wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Malteser Hilfsdienst oder der Caritas anders beurteilt. Der größte Unterschied liegt jedoch in der Bewertung der  ökonomischen und sozialen Auswirkungen von Altkleiderspenden aus wohlhabenden Ländern auf die Empfängerländer in Osteuropa und Afrika.

Die Masche mit Altkleidern

Spenden der Altkleider wird nachgegangen

Die Thesen

Schon der reißerische Titel macht deutlich, was die Botschaft der Dokumentation des NDR sein soll: Ahnungslose Spender würden unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit hinters Licht geführt. Ihre Kleidung käme nicht bei Hilfsbedürftigen an, sondern werde mit Hilfe von Unternehmen wie der SOEX Group bzw. ihrer Tochter EFIBA in Entwicklungsländern skrupellos zu Geld gemacht. Mit dem Altkleiderhandel werde zudem die heimische Textilindustrie in afrikanischen Staaten wie Tansania, wo die Nachfrage nach Altkleidern besonders hoch ist, zerstört. Dies hinge damit zusammen, dass Händler aus Deutschland und anderen Geberländern diese Märkte mit Textilien aus Altkleiderspenden zu konkurrenzlos niedrigen Preisen überfluteten. Dies hätte die einheimische Textilindustrie in den Ruin getrieben, sowie viele Arbeitsplätze und Existenzen zerstört.

Im Bericht des ZDF widerspricht Andreas Voget des Dachverbandes FairWertung, der sich für mehr Transparenz und Verantwortlichkeit beim Sammeln und Verwerten von gebrauchter Kleidung einsetzt, diesem Sachverhalt und betont die ökologische Sinnhaftigkeit von Kleiderspenden. Demnach sei die Wiederverwendung von Altkleidern eine gute Sache, denn die Produktion von neuen Textilien verschlucke Unmengen an Ressourcen und bei der Herstellung müssten viele Chemikalien und Pestizide eingesetzt werden. Aus Abfall neues zu produzieren, hieße auch Abfall zu reduzieren. Die einheimischen Textilbetriebe seien aufgrund der allgemeinen Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt Pleite gegangen – nicht durch den Handel mit Altkleidern. Daneben schaffe der Altkleiderhandel Arbeitsplätze und Erlösquellen, z. B. für Markthändler, Änderungsschneidereien oder 2nd Hand Läden.

Die Reaktionen

Insbesondere die Reportage des NDR veranlasste einige Organisationen aus der Altkleiderverwertungskette dazu, ihre eigene Sichtweise zu diesem Thema klarzustellen. So veröffentlichte der DRK-Bundesverband beispielsweise eine Stellungnahme auf seiner Website, um den Vorurteilen hinsichtlich der “Altkleider-Lüge” entgegenzuwirken. Hierin wird die Wichtigkeit von Altkleiderspenden zur Finanzierung der ehrenamtlichen Arbeit des DRK betont. Auch das DRK beruft sich in seiner Stellungname auf die Studien des Dachverbandes FairWertung und betont neben der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, dass der Altkleiderhandel in Ländern wie Tansania und Kamerun gerade den Armen der Bevölkerung ermögliche, sich vergleichsweise kostengünstig mit guter Bekleidung zu versorgen.

Gleichzeitig wird jedoch darauf verwiesen, dass letztlich jeder einzelne regionale DRK-Verband selbst darüber entscheide, was mit den gespendeten Altkleidern passiert – also in welcher Form diese verwertet werden und wohin genau die daraus gewonnenen Erträge fließen. Dies wird sowohl in der Dokumentation des NDR als auch des ZDF kritisiert, da die Transparenz der Altkleiderspende beim Deutschen Roten Kreuz wie bei anderen Hilfsorganisationen darunter leide, dass Spender nicht ausreichend (z. B. durch eindeutige Beschriftungen auf Altkleidercontainern) über die Verwertung der Textilien informiert würden und jeder Ortsverband etwas anderes damit tue. Das DRK gelobt in seinem Schreiben Besserung und hält seine regionalen Verbände an, das Transparenzproblem durch klare und offene Kommunikation hinsichtlich der Altkleiderverwendung zu entschärfen.