Echte Handarbeit: Das Sortieren der Altkleider

Ein Großteil der gesammelten Altkleider (ca. 99%) wird nicht direkt an Bedürftige in Deutschland oder in Katastrophengebieten verteilt. Dies ist völlig okay, da die 750.000 Tonnen Altkleider pro Jahr den karitativen Bedarf bei weitem übersteigen. Altkleiderrecycling ist ein Wirtschaftszweig, der den Gesetzen der Marktwirtschaft folgt und Angebot und Nachfrage zusammenbringt. Dabei entsteht allerdings nicht nur ein finanzieller, sondern auch ein ökologischer Gewinn – vorausgesetzt die gesetzlichen  und moralischen Vorgaben werden eingehalten.

Ein wichtiger Schritt im Altkleiderrecycling ist das sortieren der Altkleider

Altkleider Sortieranlage

Altkleider werden zunächst grob vorsortiert.

Altkleider unsortiert nach Afrika zu verkaufen ist zwar lukrativ aber nicht ökologisch, da Transportkapazitäten verschwendet werden und so auch viel unbrauchbarer Müll in Afrika landet. Altkleider sollten daher unbedingt sortiert werden, bevor sie weiter verarbeitet werden.

Wir haben die Einladung der Firma FWS wahrgenommen und uns den Sortierbetrieb von Texttrade in Bremerhaven angesehen. Hier werden etwa 40 Tonnen Altkleider am Tag von ca. 80 meist weiblichen Mitarbeitern sortiert. 

Im Sortierbetrieb wird nach zwei groben Kriterien unterschieden

  1. Tragfähigkeit
  2. Marktfähigkeit

Ökonomisch und ökologisch am besten ist es, wenn soviel Kleidung wie möglich weiter getragen wird. Doch die Tragfähigkeit hat ihre Grenzen. Fleckige oder löchrige Kleidung gilt als nicht mehr tragfähig und wird sofort aussortiert. Die Marktfähigkeit ist etwas schwieriger zu beurteilen. Es geht dabei um die Frage, wie gefragt ein Kleidungsstück momentan ist. Insbesondere Kleidung, die jahrzehntelang auf dem Dachboden lag, wird als nicht mehr marktfähig eingestuft, auch wenn sie stofflich völlig in Ordnung sind.

Eine Ausnahme ist so genannte Vintage-Kleidung – Kleidung, die eigentlich schon aus der Mode geraten war, nun aber wieder “in” und sehr gefragt ist. Wenn man nicht gerade ein Naturtalent darin ist, modische Trends zu erkennen, macht es jedoch Sinn, diese nicht auf dem Dachboden oder im Keller zu horten, sondern Kleidung, die aussortiert ist, zeitnah ein einen Altkleidercontainer zu werfen.

Besuch bei FWS im Sortierbetrieb

Von links nach rechts. Oliver Schien (FWS), Tobias Ebert, Rainer Binger (FWS), Amos Groth

Ansonsten wird aus Ihrem schicken Marken-Rolli von 1991 nur noch sogenannte Reißware. Dabei werden die Kleidungsstücke zerschreddert und gelangen z. B. als Sekundärstoff in die Automobilindustrie.

Neben den normalen Kleidern und Schuhen tauchen auch immer wieder skurrile Artikel und wahre Schätze auf. Stofftiere, Hörgeräte, Brillen, Gebisse oder Handys werden ebenfalls aussortiert und weitergegeben. Im Sortierbetrieb gibt es sogar “Schatzsucher”, die Ausschau nach wertvollen Einzelstücken haben, um diese an 2nd Hand Läden oder über das Internet zu verkaufen. Doch hier sind die Entsorgungskosten des großen Rests meist höher als der Erlös. Schmeißen Sie daher keinen “Müll” in Altkleidercontainer.