Lübeck stellt Altkleidercontainer auf – Kein Export nach Afrika

Nachdem bereits die Städte Jena, Köln und Bocholt angekündigt haben ins Altkleidergeschäft einzusteigen, will auch die Hansestadt Lübeck die Altkleiderentsorgung bald städtisch verwalten. Die Entsorgungsbetriebe Lübeck (ELB) wollen nach aktuellen Zeitungsberichten das lukrative Geschäft noch in diesem Jahr übernehmen und hunderte Altkleidercontainer in Lübeck aufstellen. Das besondere in diesem Fall ist, dass der  zuständige Innen- und Umweltsenator Bernd Möller (Grüne) folgendermaßen zitiert wird:

„Textilmärkte in der Dritten Welt sollen nicht mit europäischen Kleidern überschwemmt werden.“ so Möller

Lübeck will Altkleidercontainer austellen

Altkleiderentsorgung in Lübeck

Die Politiker lehnen also Altkleiderexporte in die Dritte Welt ab, zeigen aber keine Alternative auf, was mit den überschüssigen Alttextilien geschehen soll. Ansässige Altkleiderkammern der karitativen Einrichtungen in Lübeck und Umgebung werden kaum soviel Kleidung benötigen wie die Lübecker Haushalte spenden werden. Der Entsorgungsbetrieb Lübeck wird diesen Überschuss auch nicht an gewerbliche Sortier – und Verwertungsbetriebe verkaufen können, da die Kleidung so mittelbar auch in Afrika und Osteuropa landen würde. In Konsequenz müssten die Entsorgungsbetriebe Lübeck die überschüssigen Kleidungsstücke für den Altkleiderexport unbrauchbar machen, z.B. indem die noch tragbare Kleidung gehäckselt wird.

Nach Meinung von privaten Sammlern wird das ein Verlustgeschäft für die Hansestadt Lübeck, denn gehäckselte Kleidung ist weniger wert als die  Kosten der Sammlung. Dagegen spricht die FDP-Politikerin Michaela Blunk von einem „schändlichen Missstand, wenn auch Lübeck seine kommunale Abfallentsorgung mit dem Leid in Entwicklungsländern finanzieren würde“.

Dass deutsche Altkleidung die afrikanische Textilindustrie schädige, hält der Soex-Sprecher für Meinungsmache. „Es gibt keine seriöse Studie, die zu diesem Ergebnis kommt.“ Nach seinen Angaben würden Studien nachweisen, dass durch den Altkleider-Export Tausende von Arbeitsplätzen in Handel, Änderungsschneidereien und Transportwesen in der Dritten Welt entstanden seien. Hinzu kommt die durch Altkleiderimporte vermiedene Produktion von Milliarden Tonnen Baumwolle in Regionen mit niedrigen Umweltstandards und meist geringen Wasservorkommen.