Schaden unsere Altkleiderexporte?

Es ist die Gretchenfrage der Altkleiderverwertung: Sind die negativen Auswirkungen der Altkleiderexporte größer als ihr Nutzen?

Rund die Hälfte der in Deutschland gesammelten Altkleider sind noch tragbar und werden in osteuropäische, afrikanische oder asiatische Länder importiert. Das dies ein großer Beitrag zum Umweltschutz ist, stößt auf breite Zustimmung. Dadurch werden wertvolle Ressourcen geschont und die Herstellung von Neuware in menschenunwürdigen Arbeitsverhältnissen reduziert.

Simbabwe verbietet Import von Altkleidern

Patrick-Chinamasa

Finanzminister Chinamasa kündigt Verbot für Altkleiderimporte zum 1.9.2015 an

Die ökonomischen Auswirkungen auf Importländer wird dagegen immer wieder kontrovers diskutiert. Hier in Deutschland, aber eben auch in den direkt betroffenen Ländern. Ende Juli hat Simbabwe ein Importverbot auf gebrauchte Kleidung und Schuhe erlassen. Der Finanzminister Patrick Chinamasa begründete das Verbot mit der Gesundheitsgefahr, die von gebrauchten Kleidern ausgehe, da Geschlechtskrankheiten wie Filzläuse übertragen werden könnten. Außerdem sei es menschenunwürdig gebrauchte Kleidung zu tragen, so der Minister weiter.

Erst weitere Berichte veröffentlichten die z.B. auch aus Tansania bekannte Argumentation, dass es auch um den Schutz der lokalen Textilindustrie und den Einzelhandel (die Neuware verkaufen) ginge.

Massive Kritik der Bevölkerung

Seit dieser Ankündigung macht sich massive Kritik innerhalb des Landes breit. Insbesondere wirft die Opposition der Regierung bloße “Symptom-Behandlung” vor. Die verbreitete Armut und hohe Arbeitslosigkeit sind die Ursache für den Boom des Altkleiderhandels. Durch ein generelles Verbot kann sich ein Großteil der Bevölkerung überhaupt keine Kleidung mehr leisten und müsse wieder in wirklich menschenunwürdiger Kleidung oder gar nackt herumlaufen.

Auch würden tausende von kleinen Altkleiderhändlern ihr Einkommen verlieren und aus Mangel von alternativen arbeitslos sein.

Die schützenswerte Textilindustrie in Simbabwe ist so gut wie nicht vorhanden. Es würde Jahre dauern, bis  ist in diese aufgebaut ist und es ist jetzt schon absehbar, dass diese mit der Neuware aus den Textilfabriken Asiens nicht konkurrieren können wird. Auch der Einzelhandel von Neuware ist bereits jetzt schon größtenteils in chinesischer Hand, durch ein Verbot der Altkleiderimporte würden diese Händler besonders profitieren.

Betroffene Händler fordern zumindest einen Kompromiss, der z.B. das generelle Verbot aufhebt und nur für Unterwäsche gilt.

CCTV Afrika zeigt in dieser kurzen Reportage wie Händler jetzt schon die Importzölle umgehen und wie die Betroffenen auf das Vorhaben der Regierung reagieren.

Weitere Links zum Thema:

The Standard (Simbabwe) “Govt must lift ban on sale of used clothes”

NewsDay (Simbabwe) “Second-hand clothes, shoes ban backfires”

Die Zeit (Deutschland) “Simbabwe verbietet Import von Altkleidern”

 

 

 

Altkleider-Upcycling in Afrika

Unsere Altkleider werden, nach dem sie in Altkleidercontainern oder in Kleiderkammern gesammelt wurden, in großen Altkleider-Sortieranlagen in verschiedne Qualitäten und Kategorien sortiert. Rund die Hälfte aller Kleidungsstücke gelangt auf dem Weltmarkt für gebrauchte Textilien.

Nur die allerbeste Qualität (Cremeware) bleibt in Deutschland und wird in deutschen 2nd Hand Läden verkauft. Diese Cremeware ist aber weniger als 1% aller gespendeten Altkleider. Die zweitbeste Qualität wird meist von osteuropäischen Importeuren gekauft. Erfahren Sie hier mehr über den Weg der Altkleider.

Was diesen Qualitätsstufen nicht entspricht, aber “noch tragbar” ist, gelangt über den Seeweg nach Afrika.

“Noch tragbar” bedeutet eigentlich, dass das Kleidungsstück keine Flecken, keine Löcher hat und nicht allzu abgetragen ist.

 

Die Sortierung und Qualitätskontrolle findet in Deutschland unter einem hohen Zeit- und Kostendruck statt,  so dass auch hin und wieder Kleidungsstücke mit sichtbaren Mängeln verschifft, anstatt zu Autoteppichen oder Dämmmaterial verarbeitet zu werden.

In vielen afrikanischen Ländern sind Altkleider aus Europa und den USA die erste Wahl. Der relativ niedrige Preis und die grundsätzlich höhere Qualität gegenüber chinesischen Billigprodukten, führt zu einer hohen Beliebtheit bis in die Mittelschicht. Daher lohnt es sich auch, die Altkleider vor Ort zu waschen, zu reparieren oder wie dieser Bericht zeigt “upzucyceln”.

Filam ab: 3sat Nano zeigt, wie kenianische “Fashon Designer” gerade diese minderwertige Ware upcyceln und daraus echte Schmuckstücke machen.

Altkleider-Afrika-Upcycling

 

Cleveres Altkleiderspenden – Wissenswertes und Tipps

Das Frühjahr hat begonnen und mit diesem steht das Ausmisten des Kleiderschranks bevor. Sich von Kleidung zu trennen, ist für viele (Frauen) nicht einfach. An vielen Teilen hängt ein Stück Erinnerung, an manchen sogar noch das Preisschild. Nach einem Jahr oder weniger getragen – ist die Jeans oder der Pulli oldfashioned geworden, nur wohin damit?

Spenden macht Sinn

In den nächsten Altkleidercontainer um die Ecke? Oder gibt es noch andere Alternativen? Auf jeden Fall spenden, denn Altkleider helfen Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen, indem z. B. der Wasserverbrauch durch künstliche Bewässerung bei der Kleiderherstellung verringert wird. Aus alten Klamotten können Teppiche, neue Kleidung oder Putzlappen hergestellt und weiterverkauft werden – Textilrecyling fördert einen nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen.

Das Geschäft mit den Altkleidern

Da die Sammlung der Altkleider ein lukratives Geschäft ist, werden vermehrt illegale Container in Wohngegenden aufgestellt. Wenn überhaupt, dann nur mit einer (nicht erreichbaren) Handynummer versehen, aber nie einer seriösen Organisation zugehörig. Finger weg von solchen Containern! Aber auch der Einwurf in einen Container mit dem Namen einer karitativen Einrichtung garantiert noch nicht, dass ihre Altkleiderspende kostenlos dorthin geht, wo wir sie vermuten.

Karitative Organisationen beauftragen in der Regel professionellen Sortierbetriebe wie die Soex Group, die sich um das Entleeren, Sortieren und Weiterverkaufen kümmern. Erstere bekommen von den Erlösen nur einen kleinen Teil und können damit ihre sozialen Projekte finanzieren. Die Kleidung landet zwar oft in Afrika, sie wird jedoch nicht kostenlos an die Menschen dort verteilt – das sollte jedem klar sein. Die Altkleider aus Deutschland werden auf den afrikanischen Märkten zwar relativ günstig angeboten – z.B. 1-2 Euro für ein T-Shirt, 5 Euro für eine Jeans – aber die wirklich Bedürftigen können sich selbst das nicht leisten.

Ist der Secondhandladen die bessere Wahl?

Auch die Abgabe in Kleiderkammern oder Secondhandläden garantiert nicht, dass die Kleidung kostenlos an Bedürftige gegeben wird. Überschüssige und gut erhaltene Kleidung geht auch hier über Sortierbetriebe nach Osteuropa und Afrika. Kleiderkammern oder Secondhandläden wollen oft nur die richtig gut erhaltenen Stücke, den Rest nehmen sie gar nicht erst an. Aber nicht mehr tragbare Kleidung wird zu Dämmstoffen und Putzlappen verarbeitet und gehört damit nicht in den Hausmüll. Nur stark verschmutze Kleidung, einzelne Schuhe oder Kunststoffdecken gehören nicht in den Altkleidercontainer.

Kommunale Altkleidersammlung in den Tagesthemen

Die Stadt Jena stellt als Kommune eigene Altkleidercontainer auf, um mit den entstehenden Gewinnen die Abfallentsorgungsgebühren für seine Bürger zu senken und illegal aufgestellten Containern entgegenzuwirken. Nur Kommunen haben das Recht, Genehmigungen für das Aufstellen von Containern für alte Kleidung  zu erteilen.

Der Konkurrenzkampf um die Altkleider: Kommunen gegen karitative Einrichtungen

Dies stellt offensichtlich eine Bedrohung für karitative Sammler wie das Deutsche Rote Kreuz dar. Das DRK erlöst jährlich viel Geld mit Altkleiderspenden und beobachtet die kommunale Sammlung von Alttextilien deshalb mit Sorge. In dem Tagesthemen-Beitrag der ARD “Neuer Kampf um alte Kleider: Altkleidersammlungen landen nicht nur bei Bedürftigen” wird diese Problematik behandelt.

Altkleidercontainer in der Stadt Jena

Kleidersammlung als Thema in den Tagesthemen

Altkleidersammlung durch das Deutsche Rote Kreuz – 12 Mio. Euro Einnahmen jährlich

Altkleidersammlungen durch das Deutsche Rote Kreuz

Altkleidersammlungen durch das Deutsche Rote Kreuz

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) veröffentlicht im Zuge der „Transparenz-Initiative Altkleider“ Eckdaten zur Altkleidersammlung und nimmt Stellung zu Fragen rund um das Geschäft mit den Altkleidern.

Rund 12% aller Altkleiderspenden in Deutschland werden an das Deutsche Rote Kreuz gespendet

Nach eigenen Angaben sammelt das DRK 80.000 bis 100.000 Tonnen Altkleider pro Jahr.  Daraus ergebe sich ein deutschlandweiter Überschuss von 12 Mio. Euro per Annum.  Aus einer Tonne gesammelter Kleidung entstünde dem DRK daher ein durchschnittlicher Gewinn von ca. 133 Euro. Mit diesem Geld könnten soziale Projekte im Katastrophenschutz, in der Altenhilfe oder im Bereich des Jugendrotkreuz finanziert werden.

Im Gegensatz zu gewerblichen Sammlern, spende das DRK einen Teil (ca. 4%) der gesammelten Textilien direkt an Kleiderkammern, die die gebrauchte Kleidung wiederum bedürftigen Mitbürgern kostenlos bzw. gegen eine geringe Schutzgebühr zur Verfügung stellten. Der restliche Anteil der Altkleider werde über Partnerunternehmen verwertet. Auf die weitere Verwendung der Altkleider hat das DRK damit keinen Einfluss mehr.

“Die Vorwürfe, Altkleiderexporte hätten die Textilindustrie in afrikanischen Ländern ruiniert, gelten heute als überholt.”

Des Weiteren bezieht das DRK Stellung zu der zentralen Kritik, dass der Altkleider-Export die lokale Textilproduktion in Teilen Afrikas zerstört habe. Laut DRK haben Studien und Gutachten ergeben, dass der Rückgang der lokalen Textilproduktion z.B. in Tansania seit den 80er Jahren produktionsbedingte Gründe hat. Dazu gehören

  • häufiger Stromausfall,
  • unregelmäßige Wasserversorgung,
  • keine Ersatzteile für Maschinen
  • und die Streichung von Subventionen

für dort ansässige Textilunternehmen. Nicht die Altkleider aus Amerika und Europa, sondern vielmehr Neuware aus Asien setzten die lokale Textilindustrie durch niedrige Preise massiv unter Druck. Dass die lokale Textilindustrie kaum konkurrenzfähig sei ließe sich daran erkennen, dass Kleidungsstücke, die nicht durch Altkleiderimporte gedeckt werden (z.B. Schuluniformen oder Unterwäsche), nicht lokal produziert und stattdessen aus Asien importiert würden.

Global betrachtet würden durch die Wiederverwendung von Altkleidern Ressourcen eingespart und so die Umwelt geschont. Auch entstünden in exportierenden Ländern wie Deutschland wie auch in den Empfängerländern Afrikas zahlreiche Arbeitsplätze. Daher sei es wichtig, dass die Bürger in Deutschland weiterhin Altkleidercontainer oder Straßensammlungen nutzen und nicht aus Unsicherheit etwas kontraproduktives tun, beispielsweise ihre ausrangierten Kleider im Hausmüll entsorgen.

Recycling von Altkleidern (Teil 1)

Das Sammeln, Handeln und die Weiterverarbeitung von Altkleidern ist ein expandierender Wirtschaftszweig. Vor allem deutsche Altkleider sind in Osteuropa und Afrika eine begehrte Handelsware mit steigender Nachfrage. Aber auch in Deutschland werden immer mehr Produkte mit den Baumwollfasern der Altkleider hergestellt.

Altkleider werden zum Recycling gepresst

Altkleiderwürfel

Wer betreibt die Altkleiderverwertung?

Die Altkleiderverwertung hat in den letzten Jahren immer wieder Diskussionen hervorgerufen, insbesondere über die Sammelmethoden von karitativen und (illegal) gewerblichen Organisationen sowie über mutmaßlich negative Einflussfaktoren durch Altkleiderexporte in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Fast die gesamte Wertschöpfungskette der gespendeten Altkleider liegt in der Hand von kommerziell wirtschaftenden Unternehmen bzw. Einzelpersonen. Lediglich bei der Sammlung von Altkleidern sind teilweise karitative Einrichtungen beteiligt. Der Anteil der Spenden, der direkt an Hilfsbedürftige verteilt wird, ist entgegen dem weit verbreiteten Glauben dabei allerdings sehr gering. Nur ein Bruchteil der alten Textilien kommt Kleiderkammern zugute oder wird zum Zwecke der Katastrophenhilfe verwendet.

Altkleider auf Reisen – Ablauf der Wiederverwertung

Ausgangspunkt für das Recycling von alten Textilien sind also Sammlungen mit Hilfe von Containern oder Straßensammlungen. Kleidersammlungen per Post sind noch die Ausnahme. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 750.000.000 Kilo alte Kleidung gespendet und von unzähligen karitativen und gewerblichen Sammlern an Sammelstellen direkt in bereitstehende LKW-Anhänger geladen. Von hier werden die Alttextilien in große Sortierbetriebe transportiert und da per Handarbeit am Fließband in verschiedene Qualitätsstufen eingeteilt.

Sortierung von Altkleidern in unterschiedliche Qualitätsstufen

Altkleider werden sortiert

Kleidung, die noch tragbar ist, wird gebündelt und entweder an osteuropäische Händler verkauft. Oder die Klamotten werden durch einen Exporteur per Schiff nach Afrika verfrachtet. Die Qualität und Art entscheidet über den Zielort – sehr gut erhaltene Kleidung erzielt einen höheren Marktwert und geht deshalb meist nach Osteuropa, Winterklamotten machen ebenfalls nur dort Sinn.

In beiden Fällen verkauft der Importeur die Ware Altkleider sofort bündelweise an einheimische Textilhändler. Große Umschlagplätze für Alttextilien sind Kaliningrad (Russland) oder Dar es Salaam (Tansania). Von hier aus werden die Kleider – meist wieder von Zwischenhändlern – auf die Märkte der Städte und Dörfer gebracht und von Markthändlern verkauft. Gegebenenfalls werden die Textilien von einheimischen Schneidern bzw. Schneiderinnen vor Ort angepasst und verbessert, bevor sie von den Menschen getragen werden.

Recycling von Altkleidern (Teil 2)

Packmee – Altkleider spenden per Post

Packmee geht mit seinem Konzept neue Wege in der Altkleidersammlung. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Kanälen über die Abgabe bei Straßensammlungen, Sammelstellen oder dem Einwurf in Altkleidercontainer, bietet Packmee seinen Nutzern die Versendung ihrer Alkleiderspende per Post an. Im Folgenden berichten wir darüber, wie genau dies funktioniert, was dabei zu beachten ist und an wen die Erlöse aus der Verwertung der Altkleiderspenden gehen.

Wie funktioniert Packmee?

Mit Packmee kann man seine Altkleider per Post spenden

“Wieso sollte ich für den Versand meiner Spende bezahlen? Da gehe ich doch lieber zum nächsten Altkleidercontainer.” wird sich der ein oder andere fragen. Bei Packmee ist der Versand allerdings unter einfach zu erfüllenden Voraussetzungen kostenlos und einen alten Karton zum verschicken der Kleider hat wohl jeder in seinem Haushalt.

Zunächst einmal packt man seine aussortierten Kleidungsstücke also ordentlich und sauber in ein versandfähiges Paket. Um einen kostenlosen Packmee-Versandaufkleber für das Porto zu bekommen, muss man dafür sorgen, dass das Spendenpaket mindestens 5 Kilogramm schwer ist. Ist diese Bedingung erfüllt, druckt man sich den Paketaufkleber einfach aus und klebt ihn auf die Sendung. Für den Altkleiderspender entstehen damit keinerlei Kosten. Nur für den Karton bzw. die Verpackung muss er selbst aufkommen. Anstatt auf eine Straßensammlung zu warten oder die Sachen zum Altkleidercontainer zu bringen, kann das Packmee-Paket auch beim Paketboten abgegeben werden. Oder aber man tritt den Gang zu einer der vielen Filialen von Hermes oder DHL selbst an.

Ablauf der Altkleidersammlung

Ablauf der Altkleidersammlung mit Packmee

Wohin gehen die Erlöse?

Hinter Packmee steht die Kapitalgesellschaft Texforcare GmbH mit Sitz in Mönchengladbach, deren vorrangiges Ziel “das Sammeln und Verkaufen trag- und gebrauchsfähiger Textilien und Schuhe sowie die kostenlose Weitergabe gebrauchter Brillen und Hörgeräte” ist. Ihre Gründer Paul Schmitz und Marco Solá erhoffen sich durch ihr System einen Rückgang der Spenden an (illegal) gewerblich operierende Unternehmen in der Altkleiderbranche, die nur ein gewinnmaximierendes Geschäft betreiben. Es sei erwähnt, dass Texforcare selbst keine gemeinnützige Organisation, sondern ein gewöhnliches Unternehmen mit einer kommerziell ausgelegten Rechtsform ist.

Die Gründer versprechen allerdings in Abgrenzung zu anderen gewerblichen Kleidersammlern, den größten Anteil ihres Gewinns zu spenden und werben mit Begriffen wie Nachhaltigkeit und Transparenz. Nachdem Packmee die Altkleiderspenden erhalten hat, werden diese – wie bei anderen gewerblichen und karitativen Einrichtungen auch – größtenteils an Sortier- bzw. Verwertungsbetriebe verkauft. Im Anschluss gelangen sie auf die Märkte für Gebrauchtkleidung in Osteuropa, Asien und Afrika.

Die daraus entstehenden Gewinne sollen mindestens zu 50% direkt an die Spendenpartner von Packmee – “RTL – Wir helfen Kindern e. V.” und “Care Deutschland-Luxemburg e. V.” überwiesen werden. Je mehr Menschen mitmachten, desto größer der Spendenanteil an den Erlösen. Das Ziel, diesen Anteil schrittweise auf  80% zu steigern, klingt ehrgeizig und sinnvoll. Bleibt abzuwarten, inwieweit das Unternehmen seine Versprechen für die Zukunft einlösen kann. Ihren Jahresabschluss möchte die Firma auf ihrer Website für alle veröffentlichen.

Altkleiderspenden kontrovers bei NDR und ZDF

Zwischen den beiden Reportagen über das Spenden von Altkleidern des NDR bzw. der ARD Die Altkleider-Lüge – wie Spenden zum Geschäft werden (2011) und der des ZDF Die Masche mit den alten Kleidern (2012) liegt nur ein Jahr. Dies kann aber nicht der Grund dafür sein, dass sich die Grundaussagen der beiden Dokumentationen deutlich voneinander unterscheiden. Insbesondere wird die Vorgehensweise bei der Einsammlung der Altkleiderspenden durch karitative Verbände wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Malteser Hilfsdienst oder der Caritas anders beurteilt. Der größte Unterschied liegt jedoch in der Bewertung der  ökonomischen und sozialen Auswirkungen von Altkleiderspenden aus wohlhabenden Ländern auf die Empfängerländer in Osteuropa und Afrika.

Die Masche mit Altkleidern

Spenden der Altkleider wird nachgegangen

Die Thesen

Schon der reißerische Titel macht deutlich, was die Botschaft der Dokumentation des NDR sein soll: Ahnungslose Spender würden unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit hinters Licht geführt. Ihre Kleidung käme nicht bei Hilfsbedürftigen an, sondern werde mit Hilfe von Unternehmen wie der SOEX Group bzw. ihrer Tochter EFIBA in Entwicklungsländern skrupellos zu Geld gemacht. Mit dem Altkleiderhandel werde zudem die heimische Textilindustrie in afrikanischen Staaten wie Tansania, wo die Nachfrage nach Altkleidern besonders hoch ist, zerstört. Dies hinge damit zusammen, dass Händler aus Deutschland und anderen Geberländern diese Märkte mit Textilien aus Altkleiderspenden zu konkurrenzlos niedrigen Preisen überfluteten. Dies hätte die einheimische Textilindustrie in den Ruin getrieben, sowie viele Arbeitsplätze und Existenzen zerstört.

Im Bericht des ZDF widerspricht Andreas Voget des Dachverbandes FairWertung, der sich für mehr Transparenz und Verantwortlichkeit beim Sammeln und Verwerten von gebrauchter Kleidung einsetzt, diesem Sachverhalt und betont die ökologische Sinnhaftigkeit von Kleiderspenden. Demnach sei die Wiederverwendung von Altkleidern eine gute Sache, denn die Produktion von neuen Textilien verschlucke Unmengen an Ressourcen und bei der Herstellung müssten viele Chemikalien und Pestizide eingesetzt werden. Aus Abfall neues zu produzieren, hieße auch Abfall zu reduzieren. Die einheimischen Textilbetriebe seien aufgrund der allgemeinen Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt Pleite gegangen – nicht durch den Handel mit Altkleidern. Daneben schaffe der Altkleiderhandel Arbeitsplätze und Erlösquellen, z. B. für Markthändler, Änderungsschneidereien oder 2nd Hand Läden.

Die Reaktionen

Insbesondere die Reportage des NDR veranlasste einige Organisationen aus der Altkleiderverwertungskette dazu, ihre eigene Sichtweise zu diesem Thema klarzustellen. So veröffentlichte der DRK-Bundesverband beispielsweise eine Stellungnahme auf seiner Website, um den Vorurteilen hinsichtlich der “Altkleider-Lüge” entgegenzuwirken. Hierin wird die Wichtigkeit von Altkleiderspenden zur Finanzierung der ehrenamtlichen Arbeit des DRK betont. Auch das DRK beruft sich in seiner Stellungname auf die Studien des Dachverbandes FairWertung und betont neben der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, dass der Altkleiderhandel in Ländern wie Tansania und Kamerun gerade den Armen der Bevölkerung ermögliche, sich vergleichsweise kostengünstig mit guter Bekleidung zu versorgen.

Gleichzeitig wird jedoch darauf verwiesen, dass letztlich jeder einzelne regionale DRK-Verband selbst darüber entscheide, was mit den gespendeten Altkleidern passiert – also in welcher Form diese verwertet werden und wohin genau die daraus gewonnenen Erträge fließen. Dies wird sowohl in der Dokumentation des NDR als auch des ZDF kritisiert, da die Transparenz der Altkleiderspende beim Deutschen Roten Kreuz wie bei anderen Hilfsorganisationen darunter leide, dass Spender nicht ausreichend (z. B. durch eindeutige Beschriftungen auf Altkleidercontainern) über die Verwertung der Textilien informiert würden und jeder Ortsverband etwas anderes damit tue. Das DRK gelobt in seinem Schreiben Besserung und hält seine regionalen Verbände an, das Transparenzproblem durch klare und offene Kommunikation hinsichtlich der Altkleiderverwendung zu entschärfen.

Altkleiderspenden – Container auf für unser neuestes Projekt

Altkleiderspenden.de verfolgt das Ziel, das Thema rund um die Verwertung von Altkleidern – insbesondere über den Weg der Altkleiderspende – für alle transparenter zu machen. Was mit der Kleiderspende nach dem Einwurf in den Altkleidercontainer oder nach der Altkleidersammlung passiert, wissen nur die wenigsten. Darüber möchten wir in diesem Blog berichten.

Altkleider spenden Afrika

Zur Relevanz von Altkleiderspenden

In Deutschland werden jährlich etwa 750.000 Tonnen davon gesammelt bzw. in Container geworfen. Die meisten Spender gehen davon aus, dass ihre alten Textilien ausschließlich an hilfsbedürftige Menschen direkt in Deutschland oder in Entwicklungsländern verteilt wird. Ein weit verbreiteter Irrglaube, denn die jährliche Sammelmenge übersteigt bei Weitem den Bedarf für karitative Zwecke. Der überwiegende Teil der gesammelten Bekleidung wird daher an Textilverwerter im In- und Ausland verkauft. Die mangelnde Transparenz von karitativen Einrichtungen bezüglich der Verwendung von Altkleiderspenden stößt dabei immer wieder auf Kritik. Darüber hinaus wird auch zunehmend über die Auswirkung des Altkleiderhandels auf Entwicklungsländer kontrovers diskutiert.

Ein weiteres Problem ist der generelle Umgang mit gebrauchter Kleidung in unserer Gesellschaft. Viele Menschen sind sich des Wertes ihrer alten Klamotten nicht bewusst und sparen sich den Gang zu einer der vielen Container und Sammelstationen. Sie werfen ihre aussortierten Altkleider einfach in den Restmüll. Dies wirft insbesondere Fragen hinsichtlich der Nachhaltigkeit des Konsumverhaltens auf der einen und des Produzentenverhaltens in der Textilindustrie auf der anderen Seite auf.

Warum altkleiderspenden.de?

Mit unserer Website haben wir eine neue Informationsplattform ins Leben gerufen, die sich mit dem Thema Altkleiderverwertung im Allgemeinen und Altkleiderspenden im Besonderen beschäftigt und von allen Seiten beleuchtet bzw. diskutiert. Warum wir das tun? Wir möchten die Thematik in erster Linie selbst besser verstehen. Der Handel mit dem gebrauchten Gut fasziniert uns. Dank unserer Reisen durch Asien und Afrika abseits der Wohlstandswelt, kennen wir den Altkleidermarkt am anderen Ende der Second Hand Wertschöpfungskette.

Durch die Veröffentlichung unserer Recherchen möchten wir gleichzeitig dazu beitragen, das was zumeist im Hintergrund geschieht für alle anderen offenzulegen und transparenter zu machen. Wir hoffen Menschen für das Thema sensibilisieren, vielleicht sogar begeistern zu können und lebhafte Diskussionen anzuregen.