Neue Wege der Altkleidersammlung

Der Schwarzwald Baar Kreis schlägt neue Wege gegen den Wildwuchs der illegalen Altkleidercontainer ein. Gemeinsam mit sechs karitativen Hilfsorganisationen hat sich der Landkreis zu einer Kooperation zusammengeschlossen, um so dem Bürger ein flächendeckendes Netz an legalen Altkleidercontainern zu bieten. Seit August 2014 stehen an 70 Standorten (zur Kartenansicht) die blauen Kooperationscontainer mit gemeinsamen Logo.

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Gemeinsam gegen die Illegalen

Altkleidercontainer-blauBis zum Start der Initiative hatten unseriöse Unternehmen immer wieder Altkleidercontainer ohne Genehmigung auf öffentlichen Grund gestellt. Zum Ärger der Städte und Gemeinden, die einen hohen Aufwand erbringen müssen, um die Container juristisch korrekt zu entfernen. Aber auch die Hilfsorganisationen wie z. B. das DRK Villingen-Schwenningen verloren durch die illegalen Altkleidercontainer wichtige Einnahmen für ehrenamtliche und soziale Projekte. Die Idee des Landkreises,  in 19 Städten und Gemeinden die illegalen durch neue Kooperationscontainer zu verdrängen, stieß auf viel Zuspruch. Neben den neuen Containern sollten die bereits vorhandenen karitativen Container bestehen bleiben. Seit August wurden 32 illegale Container dauerhaft aus dem Verkehr gezogen und 72 Kooperationscontainer aufgestellt.

Landkreis beteiligt Hilfsorganisationen am Gewinn

Um die bereits sammelnden Hilfsorganisationen für die neue “Konkurrenz” durch die Kooperationscontainer zu kompensieren, beteiligt der Landkreis die Kooperationspartner mit 20% am Gewinn. Dieser ergibt sich durch den Verkaufserlös der Altkleider an die FWS GmbH abzüglich der Kosten für die Verwaltung der Container. In den ersten 5 Monaten lag die Sammelmenge bei 74 Tonnen.

Ein Gewinn für die Umwelt

Für jedes Kilo Baumwolle, welches neu produziert wird, werden durchschnittlich 15.000 Liter Wasser benötigt. Ebenfalls belasten Pestizide und Chemikalien zur Einfärbung der Stoffe unsere Umwelt. Die Kleidung aus dem Schwarzwald Baar Kreis kann zu fast 50% (siehe Grafik unten) weiter getragen und muss eben nicht neu produziert werden. Berechnet man nur die Wasserersparnis der Baumwollkleidung, ergibt sich eine Ersparnis von 1.050.000.000 Liter (1,05 Milliarden) Wasser in 5 Monaten.

Verwendung der Gewinne aus den Altkleidern

Die Hilfsorganisationen nutzen die zusätzlichen Einnahmen für die Finanzierung ihrer sozialen Arbeit und Projekte z.B. für ein Bildungszentrum und eine Ambulanz in Togo (Help World e. V.) oder zur Mitfinanzierung von Sprachkurse für Asylbewerber (Kolping Bildungswerk e. V.). Die Einnahmen aus den Altkleidern helfen im Schwarzwald-Baar-Kreis die Müllgebühren stabil zu halten.

Der Weg der Altkleider

Die Altkleidercontainer werden regelmäßig von der FWS geleert und in einen Sortierbetrieb gebracht. Hier werden die Altkleider aus dem Schwarzwald Baar Kreis in bis zu 400 Kategorien per Hand einsortiert. Rund die Hälfte der Kleidung kann noch weitergetragen werden und wird als Second-Hand-Qualitätsware meist nach Osteuropa oder Afrika exportiert. Die Kleidung, die nicht mehr getragen werden kann, wird in der Industrie als Putzlappen genutzt oder sie wird zerschreddert und dient als Dämmmaterial – z. B. für Waschmaschinen. Ein weiteres Einsatzgebiet für nicht mehr tragbare Kleidung ist die Herstellung von Autoteilen. So muss nur ein kleiner Teil, der nicht mehr nutzbar ist, in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden. Warum dieses Vorgehen ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist, beschreiben wir in diesem Beitrag.

Diese Grafik zeigt den Weg der Altkleider vom Container über die Sammlung und die Sortierung bis hin zur Weiterverwendung. Im unterem Teil werden die Wege und die Verwendung der Erlöse dargestellt.

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Recycling von Altkleidern (Teil 2)

In unserem ersten Beitrag über das Recycling von Altkleidern ging es um die Wiederverwendung durch den Handel, bei dem die gut erhaltenen Textilien als Second Hand Ware in ferne Länder Osteuropas und Afrikas exportiert und dort verkauft werden. Der Handel macht bei der Verwertung von Altkleidern den mit Abstand größten Teil aus. Allerdings sind etwa die Hälfte der gesammelten Kleider nicht wieder verkauf- bzw. tragbar und gehen daher andere Wege.

Alte Kleider, neue Putzlappen

Die meisten Altkleider, die nicht mehr getragen bzw. verkauft werden können, landen nicht einfach in der Müllverbrennungsanlage. Circa ein Viertel der gespendeten Kleidung wird zu neuem Leben erweckt – und zwar als textiles Reinigungsmaterial. So werden diese ausgedienten Textilien von speziellen Recyclingunternehmen nach Farben und Qualitäten sortiert, von Knöpfen, Reißverschlüssen, Ösen u. ä. befreit, zu handlichen Größen zugeschnitten und massenweise in Pressballen an Industriebetriebe verkauft.

Altkleider werden als Putzlappen recycelt und wiederverwendet

Palette mit Altkleider-Putzlappen

Dort werden die alten Klamotten als Putztücher für die unterschiedlichsten Putzarbeiten verwendet. Zum Einsatz kommen die Lappen im Maschinenbau, bei der Maschinen- und Tankreinigung, in Lackierereien, der Feinmechanik, in Druckereien, in Werkstätten allgemein usw. Je nach Anforderung und Einsatzzweck werden unterschiedliche Alttextilien für die Putzlappenherstellung verwendet und unterscheiden sich dementsprechend auch im Preis. Baumwollware aus T-Shirts, Sweatshirts, Nachtwäsche und Unterwäsche kann beispielsweise als Universaltuch für mittlere und grobe Putzarbeiten benutzt werden und eignet sich besonders zur Aufnahme von Ölen und Schmierstoffen.

Es gibt sogar eine Norm (DIN 61650) für so genannte Einweg-Industrieputzlappen, die aus Altkleidern hergestellt werden. Mehrweg-Putzlappen aus Altkleidern können mehrfach wiederverwendet werden. Sie bestehen aus strapazierfähigerem Material und werden in der Regel vermietet. Der Vermieter kümmert sich hierbei um die Wiederaufbereitung – also die Reinigung und Entfernung von Fremdstoffen wie Metallspänen. Ebenfalls übernimmt er die Entsorgung der gebrauchten und nicht mehr verwendbaren Putzlappen.

Recycling von Altkleidern (Teil 1)

Das Sammeln, Handeln und die Weiterverarbeitung von Altkleidern ist ein expandierender Wirtschaftszweig. Vor allem deutsche Altkleider sind in Osteuropa und Afrika eine begehrte Handelsware mit steigender Nachfrage. Aber auch in Deutschland werden immer mehr Produkte mit den Baumwollfasern der Altkleider hergestellt.

Altkleider werden zum Recycling gepresst

Altkleiderwürfel

Wer betreibt die Altkleiderverwertung?

Die Altkleiderverwertung hat in den letzten Jahren immer wieder Diskussionen hervorgerufen, insbesondere über die Sammelmethoden von karitativen und (illegal) gewerblichen Organisationen sowie über mutmaßlich negative Einflussfaktoren durch Altkleiderexporte in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Fast die gesamte Wertschöpfungskette der gespendeten Altkleider liegt in der Hand von kommerziell wirtschaftenden Unternehmen bzw. Einzelpersonen. Lediglich bei der Sammlung von Altkleidern sind teilweise karitative Einrichtungen beteiligt. Der Anteil der Spenden, der direkt an Hilfsbedürftige verteilt wird, ist entgegen dem weit verbreiteten Glauben dabei allerdings sehr gering. Nur ein Bruchteil der alten Textilien kommt Kleiderkammern zugute oder wird zum Zwecke der Katastrophenhilfe verwendet.

Altkleider auf Reisen – Ablauf der Wiederverwertung

Ausgangspunkt für das Recycling von alten Textilien sind also Sammlungen mit Hilfe von Containern oder Straßensammlungen. Kleidersammlungen per Post sind noch die Ausnahme. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 750.000.000 Kilo alte Kleidung gespendet und von unzähligen karitativen und gewerblichen Sammlern an Sammelstellen direkt in bereitstehende LKW-Anhänger geladen. Von hier werden die Alttextilien in große Sortierbetriebe transportiert und da per Handarbeit am Fließband in verschiedene Qualitätsstufen eingeteilt.

Sortierung von Altkleidern in unterschiedliche Qualitätsstufen

Altkleider werden sortiert

Kleidung, die noch tragbar ist, wird gebündelt und entweder an osteuropäische Händler verkauft. Oder die Klamotten werden durch einen Exporteur per Schiff nach Afrika verfrachtet. Die Qualität und Art entscheidet über den Zielort – sehr gut erhaltene Kleidung erzielt einen höheren Marktwert und geht deshalb meist nach Osteuropa, Winterklamotten machen ebenfalls nur dort Sinn.

In beiden Fällen verkauft der Importeur die Ware Altkleider sofort bündelweise an einheimische Textilhändler. Große Umschlagplätze für Alttextilien sind Kaliningrad (Russland) oder Dar es Salaam (Tansania). Von hier aus werden die Kleider – meist wieder von Zwischenhändlern – auf die Märkte der Städte und Dörfer gebracht und von Markthändlern verkauft. Gegebenenfalls werden die Textilien von einheimischen Schneidern bzw. Schneiderinnen vor Ort angepasst und verbessert, bevor sie von den Menschen getragen werden.

Recycling von Altkleidern (Teil 2)