Warum Federbetten in den Altkleidercontainer gehören

Leider steuern wir schon wieder auf die kalte Jahreszeit zu. Und damit heißt es Deckenwechsel. Sommerdecke verstauen und das Federbett beziehen. Doch genauso wie Kleidung, haben auch Federbetten bei uns nur eine begrenze Nutzungsdauer. Sie werden über die Jahre muffig, dreckig und klumpig.

Federbett Recycling

Federbett Recycling

Beim Recycling auch an die Herstellung denken

Wie der Name schon vermuten lässt, beinhalten die Decken einen tierischen Rohstoff – Federn und Daunen. Diese werden von Enten ausschließlich nach der Schlachtung gewonnen. Federn und Daunen von Gänsen werden teilweise von lebendigen Tieren gerupft. Dies ist in der EU verboten, doch in Osteuropa ist Lebendrupf immer noch normal und von dort kommen die Federn dann trotzdem die Decken der EU-Bürger. Man unterscheidet zwei Formen: das maschinelle Rupfen und das Rupfen mit der Hand. Grundsätzlich ist jede Art des Lebendrupfes mit starken Belastungen und oftmals schmerzhaften Verletzungen verbunden. Wer der brutale Wahrheit vertragen kann, hier ein Video vom ZDF:

Neue Federbetten aus dem Altkleidercontainer?

Um Gänse, Enten und unsere Umwelt zu schonen, sollen Sie Ihr altes Federbett daher nicht einfach in den Hausmüll oder zum Sperrmüll geben. Federbetten können Sie in einen Altkleidercontainer werfen, solange diese nicht grob verunreinigt oder bereits nass geworden sind. Ist das Oberbett in einem akzeptablen Zustand und wärmt es noch ausreichend, kann es als Decke weiter genutzt werden. Doch auch wenn keine direkte Weiterverwendung möglich ist, kann der Inhalt – die Federn und Daunen – wiederverwendet werden. Alt-Federn werden dann, genauso wie Altkleider, als s.g. Sekundärrohstoff gehandelt. In Deutschland werden ca. 950 Tonnen Alt-Federn gesammelt. Ein Kilogramm Alt-Federn können die Kleidersammler für für 1€ – 1,5€ an Weiterverwerter verkaufen.

Recycelte Federn werden verkauft, gereinigt und beigemischt

Die Federn aus recycelten Federbetten werden dann von Spezialfirmen gereinigt und aufbereitet. So kann ein Teil der Alt-Federn dem Füllmaterial von neue Decken beigemischt werden. Dies ist hygienisch völlig unbedenklich und schont Tier und Umwelt. Federn und Daunen, die sich nicht mehr zu Decken oder Kopfkissen verarbeiten lassen, können als Dünger genutzt werden.

Die Altkleiderwirtschaft – Meldungen 2014

“Konkurrenzkampf” ist auch 2014 das Top-Thema im Altkleidergeschäft. Städte und Gemeinden kämpfen gegen illegale Kleidersammler und kommunalisieren die Altkleidersammlungen. Gewerbliche Sammler klagen gegen  Kommunen, um ihr Recht, Altkleider sammeln zu dürfen, gerichtlich durchzusetzen. Leittragende sind wiederholt die gemeinnützigen Sammelorganisationen, bei denen das Aufkommen 2014 oftmals rückläufig ist. Der Preis für Altkleider pro Tonne hat im Sommer 2014 seinen Zenit erreicht und bleibt bis zum Jahresende auf einem hohen Niveau. Die Geschehnisse in Russland bzw. der Ukraine, die IS-Truppen in Syrien und Irak sowie die Ebola-Epidemie in Westafrika bremsen vorübergehend die Nachfrage nach Altkleidern aus Deutschland. Über das Spendenaufkommen und die Recyclingquote gibt es auch 2014 keine aktuellen Zahlen für das gesamte Bundesgebiet.

Besonders im ersten Halbjahr berichteten die großen Medien über die Wandlungen auf dem Altkleidermarkt. Nun aber der Reihe nach: Ausgewählte Meldungen über das Geschäft mit unseren Altkleidern 2014.

Januar

Bildschirmfoto 2014-12-19 um 19.09.15

++Gewinnverteilung in Köln++

Die Bild-Zeitung berichtete, dass die Stadt Köln 1.000 illegale Container einziehen und 750 städtische Container der AWB Köln aufstellen will. Der Gewinn aus dem Verkauf soll 50/50 zwischen Stadt und karitativen Organisationen geteilt werden.

++Upcycling++

Der Januar startete mit einem guten Bericht auf 3sat, der zeigt, wie afrikanische Designerinnen aus Mitumba (Altkleider) mit viel Liebe zum Detail echte Schmuckstücke machen.

++Weitere Städte wollen einsteigen++

Immer mehr Städte wollen mitmischen und die Altkleidersammlung selbst regeln: Die Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) will 2014 bis zu 400 Container aufstellen. Flensburg, Bedburg, Düsseldorf und viele weitere werden dieses Jahr noch folgen.

++Thema im Spiegel++

Der Spiegel berichtete in einem großen Artikel, dass die Kommunen mit Altkleidersammlungen Geld verdienen wollen. Dies befeuere den Wettbewerb um gebrauchte Klamotten. Die karitativen Verbände sind in der Zwickmühle, denn nicht alle Kommunen holen sie mit ins Boot.

++Kampf gegen Illegale++

Die Praktiken der illegalen Altkleidersammler und was die Kommunen dagegen tun, zeigte anschaulich eine Reportage auf Pro7. Prinzipiell werden die Ordnungsämter immer aktiver, insbesondere dort, wo die Kommune/Stadt an einem geregelten Sammelsystem ein erhöhtes Interesse hat.

++Schranken für die Stadtverwaltung++

Die Stadt Ingolstadt verliert einen Prozess vor dem Münchner Verwaltungsgericht. Die Stadt hatte zuvor einem privaten Unternehmen die Sammellizenz entzogen.

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Altkleider – zwischen Abfall und Entwicklungshilfe

Eine repräsentative Verbraucherbefragung, die das Meinungsforschungsinstitut forsa mit 1001 Teilnehmern durchgeführt hat, zeigt das 86% der Befragten ihre Altkleider zur Kleidersammlung bringen. Die 4 Hauptgründe der 86% werden wie folgt beantwortet:

  1. Weil sie hilfsbedürftige Menschen oder karitative Organisationen unterstützen wollen – 88%
  2. Wei sie möchten, dass die Sachen weitergetragen werden, da sie zum Wegwerfen zu schade sind – 85%
  3. Weil sie zum Umweltschutz beitragen möchten – 54%
  4. Weil sie die Sachen loswerden möchten – 13%

(Die komplette Umfrage können Sie hier herunterladen)

bvse-Umfrage-Altkleider

Eine andere Umfrage, die wir eigenständig unter 200 Teilnehmern durchgeführt haben, kommt zu dem Ergebnis, das 51% der Bevölkerung davon ausgeht, dass die gespendeten Altkleider kostenlos an bedürftige Menschen verteilt werden.

Nur 49% der Befragen wissen was passiert

Nur 49% der Befragen wissen was passiert

Die kostenlose Weitergabe betrifft aber nur einen kleinen Teil der Altkleiderspenden und hat folgende Gründe:

  1. Der Bedarf an kostenloser Kleidung in Deutschland ist um ein vielfaches geringer als das Aufkommen.
  2. Die Deutschen kaufen lieber Neuware. Die Menge von verkäuflicher 2nd Hand Kleidung übersteigt ebenfalls die Nachfrage.
  3. Das Sammeln, Sortieren und Transportieren ins Ausland ist nicht kostenlos, so dass karitative Organisationen weitere finanzielle Mittel aufbringen müssten, um Kleidung z.B. nach Afrika zu verschiffen.
  4. Kostenlose Kleidung in Afrika würde die lokalen Märke und den Handel mit Kleidung zerstören.

Altkleider sind keine Entwicklungshilfe

Als Konsequenz hat sich ein globaler Altkleiderhandel etabliert, welcher auch ökologisch sinnvoll ist, wenn sich die Marktteilnehmer an geltende Bestimmungen und Gesetze halten. Karitative Organisationen profitieren dabei meist durch die Überlassung von Altkleidercontainer und Standortmiete. Mit diesen indirekten Einnahmen aus den Altkleidern können dann soziale Projekt finanziert werden.

Durch die Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetz vor zwei Jahren werden Altkleider gesetzlich als Abfall klassifiziert. Diese Neuordnung hat seid der Einführung für viel Bewegung im Altkleidermarkt gesorgt.

Gesetzlich sind alle Altkleider Abfall

Allerdings meist nur bei der Altkleidersammlung, denn hier haben nun prinzipiell Städte und Gemeinden den Vorrang vor privatwirtschaftlichen Unternehmen und karitativen Organisationen. Auf die Verwertung und das Recycling von Altkleidern hat diese Neuordnung hingegen überraschend wenig Auswirkungen. Nach wie vor werden die überschüssigen Altkleider in Sortierbetrieben sortiert und dann exportiert.

Altkleidersammlung – “gute” und “schlechte”

Unter einer Altkleidersammlung versteht man das Sammeln von Altkleidern und Schuhen durch gemeinnützige oder private Organisationen. Eine Altkleidersammlung muss, seit der Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes  § 17 Abs. 2 Nummer 3 und 4 KrWG, bei dem zuständigen Ordnungsamt angezeigt werden. Eine Altkleidersammlung kann durch eine Straßensammlung, die Sammlung in Altkleidercontainer oder durch Kombi-Tonnen erfolgen

Gute Altkleidersammlungen erkennen

Illegale Altkleidercontainer, dubiose Straßensammlungen und gewinnmaximierende Textilverwerter haben der Kleidersammlung in letzter Zeit ein schlechtes Image verschafft. Doch die Altkleidersammlung ist für viele karitative Verbände und Einrichtungen eine wertvolle Einkommensquelle. Für den potenziellen Spender ist allerdings der Unterschied schwer zu erkennen. Unseriöse Kleidersammlungen werben oft mit übertriebenen Slogans, wie z.B.:

  • „Hilfe für Flutopfer“
  • „Helfen Sie, damit wir helfen können.“
  • “Kleidung für Afrika”
Beispiel für eine unseriöse  Organisation

Beispiel für eine unseriöse Organisation

Auch anhand der Kontaktdaten (wenn welche vorhanden sind) können Sie eine gute von einer schlechten Kleidersammlung unterscheiden. Ist nur eine Handynummer zu finden oder “kein Anschluss unter dieser Nummer” können Sie fast sicher sein, dass es sich um eine illegale Kleidersammlung handel. Auf Zetteln zur Ankündigung einer (privaten und meist nicht angezeigten) Straßensammlungen finden Sie  Symbole, die von der Gemeinnützigkeit der Organisation überzeugen soll:

  • rotes Kreuz auf weißem Hintergrund
  • Engel in jeder Form
  • Weltkugel mit Umweltsymbolen

Qualitätssiegel für zertifizierte Altkleidersammlungen

Fachverband Textilrecycling und Fairwertung Altkleidercontainer

Fachverband Textilrecycling und Fairwertung Altkleidercontainer

In Deutschland gibt es den Fachverband Textilrecycling des bvse und Fairwertung e.V., welche Leitlinien zur nachhaltigen Alttextilienverwertung erlassen haben. Zusätzlich haben beide Organisationen ein Qualitätssiegel für Altkleidercontainer in die Welt gerufen, um so für den Spende gute von schlechten Altkleidersammlungen unterscheidbar zu machen. Die Altkleidercontainer der zahlreichen Mitglieder werden nun in Zukunft mit diesen Aufklebern ausgestattet.

Altkleider

Der Altkleidermarkt

In Deutschland werden jährlich 750.000 Tonnen Kleider und Schuhe gespendet. Das entspricht ca. 9 kg pro Bundesbürger. Über die Jahre wächst diese Menge nur langsam – im Gegensatz zur Nachfrage. Die Altkleider aus Deutschland sind sehr beliebt auf dem Weltmarkt. Besonders in Afrika und Osteuropa ziehen die Menschen 2nd-Hand Kleidung aus Deutschland den billigen Neuwaren aus Asien vor. Ökologisch macht das Recycling von Altkleider absolut sinn, da wertvolle Ressourcen (Baumwolle, Wasser, Chemikalien) eingespart werden und der Altkleidermarkt weltweit hunderttausende Arbeitsplätze schafft. Aber es gibt auch Meinungen, dass die Altkleider die lokale Textilproduktion z.B. in Ostafrika zerstört haben bzw. einen Wiederaufbau verhindert. Diesen Meinungen stehen wiederum andere Studien und eigene Beobachtungen gegenüber.

Exporte von Altkleidern aus Deutschland

Weltmarkt der Altkleider – Exporte aus Deutschland

Die Sammelmethoden für Altkleider

Die häufigsten Sammelmethoden für Alttextilien und Schuhe sind:

  • Altkleidercontainer
  • Altkleidersammelstellen
  • Straßensammlungen
  • Komi-Tonne

Hinzu kommen neue Konzepte wie z.B. Altkleiderspenden per Post oder der Verkauf von Altkleidern über das Internet. Eine gesammelte Tonne Altkleider hat einen Wert von ca. 350 Euro.

Die Verwendung von Altkleidern

Sortieren: Die Altkleider werden in Sortierbetrieben von Hand sortiert. Die Sortierbetriebe haben unterschiedliche ganz Größen. Die größte in Deutschland ist die Sortierungsanlage von SOEX in Wolfen (Hier arbeiten 800 Menschen rund um die Uhr die 400 Tonnen Alttextilien sortieren). Aber auch Kreisverbände der caritativen Organisationen sortieren manchmal selbst.

Verkaufen: Nur 1% der Altkleider wird kostenlos an Bedürftige in Deutschland weitergegeben. Der Bedarf der Kleiderkammern ist nicht größer, der große Rest wird verkauft. Die Altkleider lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:

  • Creme-Ware (2%)
  • Altkleider – Qualitätsstufe 1 (ca. 20%)
  • Altkleider – Qualitätsstufe 2 (ca. 25%)
  • Verwendung als Putzlappen in der Industrie (ca. 25%)
  • Verwertung durch Faser-Rückgewinnung (ca. 20%)
  • Thermische Verwertung (Verbrennung ca. 8%)
Die Verwendung und Verwertung von Altkleidern

Anteilige Verwertung von Altkleidern in Deutschland

Abnehmer der Altkleider sind Exporteure, die die Altkleider dann per LKW oder Containerschiff nach Osteuropa oder Polen bringen. Hier werden die Altkleider dann Bündelweise verkauft, d.h. die Zwischenhändler kaufen die Säcke ohne die Kleidungsstücke einzeln zu begutachten.

Weiterverkaufen: Auch in den lokalen Märkten der Importländer gibt es noch mal unterschiedliche Qualitätsstufen. Die besten Kleidungsstücke bleichen in den (Haupt-)Städten, weniger moderne Sachen gehen auf die Märke im Landesinneren. Auf den afrikanischen Märkten (z.B. in Kenia) kostet eine Jeans dann am Ende 5 Euro eine T-Shirt gibt es ab 1 Euro.