Schaden unsere Altkleiderexporte?

Es ist die Gretchenfrage der Altkleiderverwertung: Sind die negativen Auswirkungen der Altkleiderexporte größer als ihr Nutzen?

Rund die Hälfte der in Deutschland gesammelten Altkleider sind noch tragbar und werden in osteuropäische, afrikanische oder asiatische Länder importiert. Das dies ein großer Beitrag zum Umweltschutz ist, stößt auf breite Zustimmung. Dadurch werden wertvolle Ressourcen geschont und die Herstellung von Neuware in menschenunwürdigen Arbeitsverhältnissen reduziert.

Simbabwe verbietet Import von Altkleidern

Patrick-Chinamasa

Finanzminister Chinamasa kündigt Verbot für Altkleiderimporte zum 1.9.2015 an

Die ökonomischen Auswirkungen auf Importländer wird dagegen immer wieder kontrovers diskutiert. Hier in Deutschland, aber eben auch in den direkt betroffenen Ländern. Ende Juli hat Simbabwe ein Importverbot auf gebrauchte Kleidung und Schuhe erlassen. Der Finanzminister Patrick Chinamasa begründete das Verbot mit der Gesundheitsgefahr, die von gebrauchten Kleidern ausgehe, da Geschlechtskrankheiten wie Filzläuse übertragen werden könnten. Außerdem sei es menschenunwürdig gebrauchte Kleidung zu tragen, so der Minister weiter.

Erst weitere Berichte veröffentlichten die z.B. auch aus Tansania bekannte Argumentation, dass es auch um den Schutz der lokalen Textilindustrie und den Einzelhandel (die Neuware verkaufen) ginge.

Massive Kritik der Bevölkerung

Seit dieser Ankündigung macht sich massive Kritik innerhalb des Landes breit. Insbesondere wirft die Opposition der Regierung bloße “Symptom-Behandlung” vor. Die verbreitete Armut und hohe Arbeitslosigkeit sind die Ursache für den Boom des Altkleiderhandels. Durch ein generelles Verbot kann sich ein Großteil der Bevölkerung überhaupt keine Kleidung mehr leisten und müsse wieder in wirklich menschenunwürdiger Kleidung oder gar nackt herumlaufen.

Auch würden tausende von kleinen Altkleiderhändlern ihr Einkommen verlieren und aus Mangel von alternativen arbeitslos sein.

Die schützenswerte Textilindustrie in Simbabwe ist so gut wie nicht vorhanden. Es würde Jahre dauern, bis  ist in diese aufgebaut ist und es ist jetzt schon absehbar, dass diese mit der Neuware aus den Textilfabriken Asiens nicht konkurrieren können wird. Auch der Einzelhandel von Neuware ist bereits jetzt schon größtenteils in chinesischer Hand, durch ein Verbot der Altkleiderimporte würden diese Händler besonders profitieren.

Betroffene Händler fordern zumindest einen Kompromiss, der z.B. das generelle Verbot aufhebt und nur für Unterwäsche gilt.

CCTV Afrika zeigt in dieser kurzen Reportage wie Händler jetzt schon die Importzölle umgehen und wie die Betroffenen auf das Vorhaben der Regierung reagieren.

Weitere Links zum Thema:

The Standard (Simbabwe) “Govt must lift ban on sale of used clothes”

NewsDay (Simbabwe) “Second-hand clothes, shoes ban backfires”

Die Zeit (Deutschland) “Simbabwe verbietet Import von Altkleidern”

 

 

 

Altkleider

Der Altkleidermarkt

In Deutschland werden jährlich 750.000 Tonnen Kleider und Schuhe gespendet. Das entspricht ca. 9 kg pro Bundesbürger. Über die Jahre wächst diese Menge nur langsam – im Gegensatz zur Nachfrage. Die Altkleider aus Deutschland sind sehr beliebt auf dem Weltmarkt. Besonders in Afrika und Osteuropa ziehen die Menschen 2nd-Hand Kleidung aus Deutschland den billigen Neuwaren aus Asien vor. Ökologisch macht das Recycling von Altkleider absolut sinn, da wertvolle Ressourcen (Baumwolle, Wasser, Chemikalien) eingespart werden und der Altkleidermarkt weltweit hunderttausende Arbeitsplätze schafft. Aber es gibt auch Meinungen, dass die Altkleider die lokale Textilproduktion z.B. in Ostafrika zerstört haben bzw. einen Wiederaufbau verhindert. Diesen Meinungen stehen wiederum andere Studien und eigene Beobachtungen gegenüber.

Exporte von Altkleidern aus Deutschland

Weltmarkt der Altkleider – Exporte aus Deutschland

Die Sammelmethoden für Altkleider

Die häufigsten Sammelmethoden für Alttextilien und Schuhe sind:

  • Altkleidercontainer
  • Altkleidersammelstellen
  • Straßensammlungen
  • Komi-Tonne

Hinzu kommen neue Konzepte wie z.B. Altkleiderspenden per Post oder der Verkauf von Altkleidern über das Internet. Eine gesammelte Tonne Altkleider hat einen Wert von ca. 350 Euro.

Die Verwendung von Altkleidern

Sortieren: Die Altkleider werden in Sortierbetrieben von Hand sortiert. Die Sortierbetriebe haben unterschiedliche ganz Größen. Die größte in Deutschland ist die Sortierungsanlage von SOEX in Wolfen (Hier arbeiten 800 Menschen rund um die Uhr die 400 Tonnen Alttextilien sortieren). Aber auch Kreisverbände der caritativen Organisationen sortieren manchmal selbst.

Verkaufen: Nur 1% der Altkleider wird kostenlos an Bedürftige in Deutschland weitergegeben. Der Bedarf der Kleiderkammern ist nicht größer, der große Rest wird verkauft. Die Altkleider lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:

  • Creme-Ware (2%)
  • Altkleider – Qualitätsstufe 1 (ca. 20%)
  • Altkleider – Qualitätsstufe 2 (ca. 25%)
  • Verwendung als Putzlappen in der Industrie (ca. 25%)
  • Verwertung durch Faser-Rückgewinnung (ca. 20%)
  • Thermische Verwertung (Verbrennung ca. 8%)
Die Verwendung und Verwertung von Altkleidern

Anteilige Verwertung von Altkleidern in Deutschland

Abnehmer der Altkleider sind Exporteure, die die Altkleider dann per LKW oder Containerschiff nach Osteuropa oder Polen bringen. Hier werden die Altkleider dann Bündelweise verkauft, d.h. die Zwischenhändler kaufen die Säcke ohne die Kleidungsstücke einzeln zu begutachten.

Weiterverkaufen: Auch in den lokalen Märkten der Importländer gibt es noch mal unterschiedliche Qualitätsstufen. Die besten Kleidungsstücke bleichen in den (Haupt-)Städten, weniger moderne Sachen gehen auf die Märke im Landesinneren. Auf den afrikanischen Märkten (z.B. in Kenia) kostet eine Jeans dann am Ende 5 Euro eine T-Shirt gibt es ab 1 Euro.

Altkleidercontainer

Altkleidercontainer sind die häufigste Sammelmethode für Altkleider. In Deutschland gibt es zurzeit ca. 100.000 Container für Altkleider. Dies bedeutet, dass auf 800 Bundesbürger ein Altkleidercontainer entfällt. Die Betreiber der Altkleidercontainer sind unterschiedliche Organisationen. Grob lassen sich die Betreiber in drei Kategorien einteilen:

Betreiber von Altkleidercontainern

  1. Altkleidercontainer von gemeinnützige, karitativen oder kirchliche Organisationen
  2. Altkleidercontainer von von gewerblichen Unternehmen
  3. Altkleidercontainer von von Städten und Kommunen
Unterschiedliche Betreiber von Altkleidercontainern

Unterschiedliche Betreiber von Altkleidercontainern

Die Wettbewerb um die Altkleider und die damit verbundenen steigenden Preise führt zu immer mehr illegalen Altkleidercontainern, d.h. gewerbliche Unternehmen stellen Altkleidercontainer auf öffentlichen Grund ab, ohne diese zuvor beim Ordnungsamt anzuzeigen.

Unterschiede bei Altkleidercontainern

Die Altkleidercontainer unterscheiden sich nicht nur in Größe, Farbe und Aufmachung – auch die Gewinner aus den Altkleidercontainern haben einen unterschiedlichen Zweck. Die Gewinne der illegalen und gewerblichen Betreiber fließen zu 100% in private Taschen. Karitative Organisationen wie z.B. das Deutsche Rote Kreuz finanziert mit Altkleidern soziale Projekte und Städte und Kommunen wollen mit den Gewinnen aus Altkleidern die Müllgebühren senken.

Für den Altkleiderspender sind die Unterschiede bei Altkleidercontainer kaum zu erkennen. Nicht alle Behälter tragen ein Qualitätssiegel für Altkleidercontainer, welches einen nachhaltigen Umgang mit der Altkleiderspende sicherstellt.

Finden von Altkleidercontainern

Durch das Aufstellen und Entfernen von illegalen Containern, Umzug oder Orstwechsel wissen nicht alle Altkleiderspender wo sich ein Altkleidercontainer in der Nähe befindet. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht die Standorte von Altkleidercontainern im Internet darzustellen. Dabei listen wir nur legale Altkleidercontainer und nennen den Betreiber sowie den potenziellen Weg der gespendeten Altkleider.

Herstellung von Altkleidercontainern

Bei der der Herstellung von Altkleidercontainern gibt es insbesondere ökologische Unterschiede. Diese Unterschiede entstehen durch die längere Haltbarkeit und den nachhaltigen Herstellungsprozess der Altkleidercontainern. Seriöse Kleidersammler setzten auf qualitativ hochwertige Sammelcontainer mit einer Haltbarkeit von mehr als 10 Jahren, denn durch Wind und Wetter wird insbesondere die Oberfläche und die Einwurfklappe stark beansprucht.

Herstellung von Altkleidercontainer

Herstellung von Altkleidercontainer mit individueller Beschriftung

Über diese Qualitätsstandards hinaus hat die Firma JO-BA aus Bremen den ersten klimaneutralen Altkleiderconatiner produziert. Die für Herstellung und Material entstehenden Treibhausgase in Höhe von 1,2 Tonnen werden dabei durch ein Aufforstungsprojekt in Äthiopien neutralisiert. Pro Container werden somit 8 Bäume gepflanzt.

Abgrenzung gegenüber den illegalen Unternehmen

Illegal operierende Unternehmen, müssen mit der Gefahr rechnen, dass ihr Container konfisziert wird, und setzten daher schon bei der Anschaffung auf Billigware. Legale Altkleidercontainer erkennen Sie zusätzlich durch die individuellen Gestaltung der Oberfläche.

Aufwendig gestalteter Altkleidercontainer von FWS

Aufwendig gestalteter Altkleidercontainer von FWS

Cleveres Altkleiderspenden – Wissenswertes und Tipps

Das Frühjahr hat begonnen und mit diesem steht das Ausmisten des Kleiderschranks bevor. Sich von Kleidung zu trennen, ist für viele (Frauen) nicht einfach. An vielen Teilen hängt ein Stück Erinnerung, an manchen sogar noch das Preisschild. Nach einem Jahr oder weniger getragen – ist die Jeans oder der Pulli oldfashioned geworden, nur wohin damit?

Spenden macht Sinn

In den nächsten Altkleidercontainer um die Ecke? Oder gibt es noch andere Alternativen? Auf jeden Fall spenden, denn Altkleider helfen Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen, indem z. B. der Wasserverbrauch durch künstliche Bewässerung bei der Kleiderherstellung verringert wird. Aus alten Klamotten können Teppiche, neue Kleidung oder Putzlappen hergestellt und weiterverkauft werden – Textilrecyling fördert einen nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen.

Das Geschäft mit den Altkleidern

Da die Sammlung der Altkleider ein lukratives Geschäft ist, werden vermehrt illegale Container in Wohngegenden aufgestellt. Wenn überhaupt, dann nur mit einer (nicht erreichbaren) Handynummer versehen, aber nie einer seriösen Organisation zugehörig. Finger weg von solchen Containern! Aber auch der Einwurf in einen Container mit dem Namen einer karitativen Einrichtung garantiert noch nicht, dass ihre Altkleiderspende kostenlos dorthin geht, wo wir sie vermuten.

Karitative Organisationen beauftragen in der Regel professionellen Sortierbetriebe wie die Soex Group, die sich um das Entleeren, Sortieren und Weiterverkaufen kümmern. Erstere bekommen von den Erlösen nur einen kleinen Teil und können damit ihre sozialen Projekte finanzieren. Die Kleidung landet zwar oft in Afrika, sie wird jedoch nicht kostenlos an die Menschen dort verteilt – das sollte jedem klar sein. Die Altkleider aus Deutschland werden auf den afrikanischen Märkten zwar relativ günstig angeboten – z.B. 1-2 Euro für ein T-Shirt, 5 Euro für eine Jeans – aber die wirklich Bedürftigen können sich selbst das nicht leisten.

Ist der Secondhandladen die bessere Wahl?

Auch die Abgabe in Kleiderkammern oder Secondhandläden garantiert nicht, dass die Kleidung kostenlos an Bedürftige gegeben wird. Überschüssige und gut erhaltene Kleidung geht auch hier über Sortierbetriebe nach Osteuropa und Afrika. Kleiderkammern oder Secondhandläden wollen oft nur die richtig gut erhaltenen Stücke, den Rest nehmen sie gar nicht erst an. Aber nicht mehr tragbare Kleidung wird zu Dämmstoffen und Putzlappen verarbeitet und gehört damit nicht in den Hausmüll. Nur stark verschmutze Kleidung, einzelne Schuhe oder Kunststoffdecken gehören nicht in den Altkleidercontainer.

Altkleidercontainer-Check in München

Das Bayerisches Fernsehen strahlte von Kurzem den Bericht “Altkleidercontainer im Check” von Isabella Kroth aus. Gegenübergestellt wurde die Textilverwertung von Altkleidern aus unterschiedlichen Sammelcontainern.  In München wurden die Altkleidercontainer der Aktion Hoffnung e.V. mit den Altkleidercontainer der ReSales Textilhandels- und -recycling GmbH verglichen. Die illegal aufgestellten Container in München wurden nicht in den Check mit aufgenommen.

Beitrag des BR über Altkleidercontainer

BR Altkleidercontainer Check

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Lübeck stellt Altkleidercontainer auf – Kein Export nach Afrika

Nachdem bereits die Städte Jena, Köln und Bocholt angekündigt haben ins Altkleidergeschäft einzusteigen, will auch die Hansestadt Lübeck die Altkleiderentsorgung bald städtisch verwalten. Die Entsorgungsbetriebe Lübeck (ELB) wollen nach aktuellen Zeitungsberichten das lukrative Geschäft noch in diesem Jahr übernehmen und hunderte Altkleidercontainer in Lübeck aufstellen. Das besondere in diesem Fall ist, dass der  zuständige Innen- und Umweltsenator Bernd Möller (Grüne) folgendermaßen zitiert wird:

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Altkleidersammlung durch das Deutsche Rote Kreuz – 12 Mio. Euro Einnahmen jährlich

Altkleidersammlungen durch das Deutsche Rote Kreuz

Altkleidersammlungen durch das Deutsche Rote Kreuz

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) veröffentlicht im Zuge der „Transparenz-Initiative Altkleider“ Eckdaten zur Altkleidersammlung und nimmt Stellung zu Fragen rund um das Geschäft mit den Altkleidern.

Rund 12% aller Altkleiderspenden in Deutschland werden an das Deutsche Rote Kreuz gespendet

Nach eigenen Angaben sammelt das DRK 80.000 bis 100.000 Tonnen Altkleider pro Jahr.  Daraus ergebe sich ein deutschlandweiter Überschuss von 12 Mio. Euro per Annum.  Aus einer Tonne gesammelter Kleidung entstünde dem DRK daher ein durchschnittlicher Gewinn von ca. 133 Euro. Mit diesem Geld könnten soziale Projekte im Katastrophenschutz, in der Altenhilfe oder im Bereich des Jugendrotkreuz finanziert werden.

Im Gegensatz zu gewerblichen Sammlern, spende das DRK einen Teil (ca. 4%) der gesammelten Textilien direkt an Kleiderkammern, die die gebrauchte Kleidung wiederum bedürftigen Mitbürgern kostenlos bzw. gegen eine geringe Schutzgebühr zur Verfügung stellten. Der restliche Anteil der Altkleider werde über Partnerunternehmen verwertet. Auf die weitere Verwendung der Altkleider hat das DRK damit keinen Einfluss mehr.

“Die Vorwürfe, Altkleiderexporte hätten die Textilindustrie in afrikanischen Ländern ruiniert, gelten heute als überholt.”

Des Weiteren bezieht das DRK Stellung zu der zentralen Kritik, dass der Altkleider-Export die lokale Textilproduktion in Teilen Afrikas zerstört habe. Laut DRK haben Studien und Gutachten ergeben, dass der Rückgang der lokalen Textilproduktion z.B. in Tansania seit den 80er Jahren produktionsbedingte Gründe hat. Dazu gehören

  • häufiger Stromausfall,
  • unregelmäßige Wasserversorgung,
  • keine Ersatzteile für Maschinen
  • und die Streichung von Subventionen

für dort ansässige Textilunternehmen. Nicht die Altkleider aus Amerika und Europa, sondern vielmehr Neuware aus Asien setzten die lokale Textilindustrie durch niedrige Preise massiv unter Druck. Dass die lokale Textilindustrie kaum konkurrenzfähig sei ließe sich daran erkennen, dass Kleidungsstücke, die nicht durch Altkleiderimporte gedeckt werden (z.B. Schuluniformen oder Unterwäsche), nicht lokal produziert und stattdessen aus Asien importiert würden.

Global betrachtet würden durch die Wiederverwendung von Altkleidern Ressourcen eingespart und so die Umwelt geschont. Auch entstünden in exportierenden Ländern wie Deutschland wie auch in den Empfängerländern Afrikas zahlreiche Arbeitsplätze. Daher sei es wichtig, dass die Bürger in Deutschland weiterhin Altkleidercontainer oder Straßensammlungen nutzen und nicht aus Unsicherheit etwas kontraproduktives tun, beispielsweise ihre ausrangierten Kleider im Hausmüll entsorgen.

Altkleiderspenden kontrovers bei NDR und ZDF

Zwischen den beiden Reportagen über das Spenden von Altkleidern des NDR bzw. der ARD Die Altkleider-Lüge – wie Spenden zum Geschäft werden (2011) und der des ZDF Die Masche mit den alten Kleidern (2012) liegt nur ein Jahr. Dies kann aber nicht der Grund dafür sein, dass sich die Grundaussagen der beiden Dokumentationen deutlich voneinander unterscheiden. Insbesondere wird die Vorgehensweise bei der Einsammlung der Altkleiderspenden durch karitative Verbände wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Malteser Hilfsdienst oder der Caritas anders beurteilt. Der größte Unterschied liegt jedoch in der Bewertung der  ökonomischen und sozialen Auswirkungen von Altkleiderspenden aus wohlhabenden Ländern auf die Empfängerländer in Osteuropa und Afrika.

Die Masche mit Altkleidern

Spenden der Altkleider wird nachgegangen

Die Thesen

Schon der reißerische Titel macht deutlich, was die Botschaft der Dokumentation des NDR sein soll: Ahnungslose Spender würden unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit hinters Licht geführt. Ihre Kleidung käme nicht bei Hilfsbedürftigen an, sondern werde mit Hilfe von Unternehmen wie der SOEX Group bzw. ihrer Tochter EFIBA in Entwicklungsländern skrupellos zu Geld gemacht. Mit dem Altkleiderhandel werde zudem die heimische Textilindustrie in afrikanischen Staaten wie Tansania, wo die Nachfrage nach Altkleidern besonders hoch ist, zerstört. Dies hinge damit zusammen, dass Händler aus Deutschland und anderen Geberländern diese Märkte mit Textilien aus Altkleiderspenden zu konkurrenzlos niedrigen Preisen überfluteten. Dies hätte die einheimische Textilindustrie in den Ruin getrieben, sowie viele Arbeitsplätze und Existenzen zerstört.

Im Bericht des ZDF widerspricht Andreas Voget des Dachverbandes FairWertung, der sich für mehr Transparenz und Verantwortlichkeit beim Sammeln und Verwerten von gebrauchter Kleidung einsetzt, diesem Sachverhalt und betont die ökologische Sinnhaftigkeit von Kleiderspenden. Demnach sei die Wiederverwendung von Altkleidern eine gute Sache, denn die Produktion von neuen Textilien verschlucke Unmengen an Ressourcen und bei der Herstellung müssten viele Chemikalien und Pestizide eingesetzt werden. Aus Abfall neues zu produzieren, hieße auch Abfall zu reduzieren. Die einheimischen Textilbetriebe seien aufgrund der allgemeinen Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt Pleite gegangen – nicht durch den Handel mit Altkleidern. Daneben schaffe der Altkleiderhandel Arbeitsplätze und Erlösquellen, z. B. für Markthändler, Änderungsschneidereien oder 2nd Hand Läden.

Die Reaktionen

Insbesondere die Reportage des NDR veranlasste einige Organisationen aus der Altkleiderverwertungskette dazu, ihre eigene Sichtweise zu diesem Thema klarzustellen. So veröffentlichte der DRK-Bundesverband beispielsweise eine Stellungnahme auf seiner Website, um den Vorurteilen hinsichtlich der “Altkleider-Lüge” entgegenzuwirken. Hierin wird die Wichtigkeit von Altkleiderspenden zur Finanzierung der ehrenamtlichen Arbeit des DRK betont. Auch das DRK beruft sich in seiner Stellungname auf die Studien des Dachverbandes FairWertung und betont neben der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, dass der Altkleiderhandel in Ländern wie Tansania und Kamerun gerade den Armen der Bevölkerung ermögliche, sich vergleichsweise kostengünstig mit guter Bekleidung zu versorgen.

Gleichzeitig wird jedoch darauf verwiesen, dass letztlich jeder einzelne regionale DRK-Verband selbst darüber entscheide, was mit den gespendeten Altkleidern passiert – also in welcher Form diese verwertet werden und wohin genau die daraus gewonnenen Erträge fließen. Dies wird sowohl in der Dokumentation des NDR als auch des ZDF kritisiert, da die Transparenz der Altkleiderspende beim Deutschen Roten Kreuz wie bei anderen Hilfsorganisationen darunter leide, dass Spender nicht ausreichend (z. B. durch eindeutige Beschriftungen auf Altkleidercontainern) über die Verwertung der Textilien informiert würden und jeder Ortsverband etwas anderes damit tue. Das DRK gelobt in seinem Schreiben Besserung und hält seine regionalen Verbände an, das Transparenzproblem durch klare und offene Kommunikation hinsichtlich der Altkleiderverwendung zu entschärfen.

Verwendung von Altkleidern aus Ihrer Spende

Eine beliebte Methode der Altkleidersammlung in Köln, Berlin, München oder Hamburg ist die Straßensammlung. Der Aufruf zur Altkleiderspende klebt fast wöchentlich an der Haustür oder liegt im Briefkasten. Das Deutsche Rote Kreuz in Köln beschreibt auf seinen Zetteln fast vorbildlich was mit der Kleiderspende passiert.

Originaltext:“Ein Teil der Sammlung steht in der Kleiderkammer für bedürftige Menschen in Köln zur Verfügung. Ein weiterer Teil wird für Katastrophenfälle im Katastrophenschutzlager deponiert. Der über den Bedarf des Roten Kreuzes hinausgehende Anteil wird verkauft.”

Aufruf zur Altkleider- und Schuhspende des DRK Köln

Aufruf zur Altkleider- und Schuhspende des DRK Köln

Als “fast vorbildlich” bezeichnen wir dies, da keine Anteile genannt sind. Wir sind der Meinung, dass alle Spender genauestens darüber informiert werden sollten, was mit ihren gebrauchten Textilien geschieht. Dies wollen wir hier nachreichen und verlassen uns dabei auf die Daten von Wittmann Textilrecycling. In unserer Artikelreihe zum Thema Recycling von Altkleidern durchleuchten wir die Wiederverwertung der ausgemusterten Textilien genauer.

Die Verwendung und Verwertung von Altkleidern

Anteilige Verwertung von Altkleidern in Deutschland