Entwicklung kommunaler Altkleidersammlungen

Seit dem 1. Juni 2012 besteht das reformierte Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG). In Folge dessen haben über 110 Städte und Gemeinden selbst Sammelcontainer aufgestellt (Stand Ende 2014) und die Verwertung der Altkleider öffentlich ausgeschrieben. Obwohl dies nur 2% aller Städte und Gemeinden in Deutschland sind, hatte dies bedeutende Auswirkungen auf den Altkeidermarkt.

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Entfernen von illegalen Altkleidercontainern

Nach Schätzungen von Experten ist jeder dritte Altkleidercontainer in Deutschland ohne Genehmigung aufgestellt worden. Der Preisanstieg in den letzten Jahren beförderte das unrechtmäßige Vorgehen unseriös operierender Unternehmen. Das Entfernen der illegalen Container bedeutet für die Ordnungsämter, auf Grund der Gesetzeslage, einen hohen finanziellen Aufwand, der zusätzlich die knappen Kassen der Kommunen belastet. Als Lösung etablierte sich die kommunalisierte Altkleidersammlung.

Preisspirale durch höhere Nachfrage und illegale Container

Der steigende Preis wurde zunächst von einer zunehmenden Nachfrage auf dem Weltmarkt ausgelöst und durch die illegal aufgestellten Container weiter verstärkt. Denn Altkleider aus den wilden Containern wurden ohne heimische und fachgerechte Sortierung direkt exportiert – zum Nachteil der lokalen Textilverwertungsunternehmen. Um die Sortieranlagen in Deutschland und Westeuropa weiter auszulasten, mussten höhere Beschaffungspreise für legal gesammelte Altkleider geboten werden.

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Preisabfall ab Mitte 2014

Die Preissteigerungen wecken das Interesse weiterer Kommunen, die ihren Haushalt durch das Sammeln von Altkleidern aufbessern wollten. Durch die vermehrte Säuberung von illegal aufgestellten Containern fällt seit Mitte 2014 der Preis für Altkleider deutlich. Die Umkehr der Preisspirale beruht auf gleichen Mechanismen wie zuvor der Preisanstieg. Auf dem Weltmarkt sinkt die Nachfarge durch die Ebola Epidemie in West-Afrika, den niedrigen Rubel und Konflikte in der Ost-Ukraine sowie in Syrien. Gleichzeitig werden immer mehr kommunale Altkleidercontainer aufgestellt, was zu einem erhöhten Sammelaufkommen führt.

Die Sorge der bestehenden legalen Sammlern

Die bereits in der Altkleidersammlung aktiven karitativen Organisationen wie z. B. das DRK, die Malteser oder Caritas, aber auch legale Wirtschaftsunternehmen, begegneten den ambitionierten Plänen der Kommunen mit großer Sorge. Insbesondere sorgen Sie sich um ihre eigenen Sammelerlöse. Viele, aber längst nicht alle, Kommunen inkludierten die karitativen Organisationen in die Strategie, sodass gemeinnützigen Projekten nicht die aus der Kleidersammlungen stammende, finanzielle Grundlage entzogen wurde (z. B. in Freiburg).

Der im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) gesetzlich festgelegte Bestandsschütz für bereits sammelnde Wirtschaftsunternehmen war Anlass für das ein oder andere Gerichtsverfahren. Gegenteilige Urteilssprüche der Richter halten die Unsicherheit für private Altkleidersammler hoch.

Ausschreibungen für Verwertungsunternehmen

Die meisten Kommunen (bzw. öffentlich-rechtliche Entsorgter) sammeln, sortieren und verwerten die Altkleider nicht selbst. Dies übernehmen Verwertungsunternehmen, wie z. B. FWS oder Efiba. Die Kommunen beteiligen sich an der Altkleidersammlung, indem sie Stellplätze und Container zur Verfügung stellen. Verwertungsunternehmen entleeren die Container, sortieren die Kleidung und verkaufen diese an unterschiedliche Abnehmer (Mehr dazu hier). Die bei den Kommunen entstehenden Gewinnen sollen den jeweiligen Haushalt so bestmöglich aufbessern.

Das Problem: Die “Best-Price-Praxis”

Die “Ware” Altkleider wird oft von der Kommune an das meistbietende Verwertungsunternehmen verkauft. Welches Unternehmen den Zuschlag bekommt, wird in einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren ermittelt. Dabei lassen sich einige Kommunen, bei ihrer Entscheidung für oder gegen ein Verwertungsunternehmen, allzu oft vom besten finanziellen Angebot leiten – qualitative Anforderungen an teilnehmende Unternehmen bleiben unberücksichtigt.

Diese “Best-Price-Praxis” erregt Missmut bei Umweltverbänden, ebenso wie bei einigen zertifizieren Entsorgungsunternehmen, die die hohen Standards in der Kreislaufwirtschaft sowie viele Arbeitsplätze in den deutschen Fachbetrieben (Stichwort Mindestlohn) sicherstellen müssen.

„Dieses Vorgehen gefährdet die hohen Standards in der Kreislaufwirtschaft sowie viele Arbeitsplätze in den deutschen Fachbetrieben. Die Betriebe erfüllen sämtliche umweltrechtlichen Anforderungen und es gilt der Mindestlohn. Wenn nur der Preis entscheidet, haben sie das Nachsehen“, so bvse-Fachreferentin Beate Heinz.

Die Lösung: Höhere Qualitätsanforderungen an die Verwertungsunternehmen.

Unternehmen, die diese hohen Standards erfüllen und sich gleichzeitig durch das Vorgehen mancher Kommunen benachteiligt sehen, wollen mit der „Gemeinschaft für textile Zukunft“ (GftZ) eine hochwertige und wertschöpfende Erfassung und Verwertung von Alttextilien etablieren und sicherstellen. Dazu setzen sich die Mitglieder der GftZ u. a. für mehr qualitative Kriterien in den Ausschreibungsverfahren der öffentlich-rechtlichen Entsorgter ein.

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Weitere Kommunen wollen einsteigen

Auch wenn der Preis für Altkleider rückläufig ist, werden in den nächsten Monaten weitere kommunalisierte Altkleidersammlungen entstehen. Ob die Kommunen das Altkeiderrecyling, aus ökologischer und ökonomischer Sicht, erfolgreich optimiert haben, kann noch nicht abschließend beantwortet werden. Die in den letzten drei Jahren beobachteten Auswirkungen sind sehr unterschiedlich und müssen  nach dem ersten “Preissturz” seit Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) erneut betrachtet werden.

Altkleiderspenden kontrovers bei NDR und ZDF

Zwischen den beiden Reportagen über das Spenden von Altkleidern des NDR bzw. der ARD Die Altkleider-Lüge – wie Spenden zum Geschäft werden (2011) und der des ZDF Die Masche mit den alten Kleidern (2012) liegt nur ein Jahr. Dies kann aber nicht der Grund dafür sein, dass sich die Grundaussagen der beiden Dokumentationen deutlich voneinander unterscheiden. Insbesondere wird die Vorgehensweise bei der Einsammlung der Altkleiderspenden durch karitative Verbände wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Malteser Hilfsdienst oder der Caritas anders beurteilt. Der größte Unterschied liegt jedoch in der Bewertung der  ökonomischen und sozialen Auswirkungen von Altkleiderspenden aus wohlhabenden Ländern auf die Empfängerländer in Osteuropa und Afrika.

Die Masche mit Altkleidern

Spenden der Altkleider wird nachgegangen

Die Thesen

Schon der reißerische Titel macht deutlich, was die Botschaft der Dokumentation des NDR sein soll: Ahnungslose Spender würden unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit hinters Licht geführt. Ihre Kleidung käme nicht bei Hilfsbedürftigen an, sondern werde mit Hilfe von Unternehmen wie der SOEX Group bzw. ihrer Tochter EFIBA in Entwicklungsländern skrupellos zu Geld gemacht. Mit dem Altkleiderhandel werde zudem die heimische Textilindustrie in afrikanischen Staaten wie Tansania, wo die Nachfrage nach Altkleidern besonders hoch ist, zerstört. Dies hinge damit zusammen, dass Händler aus Deutschland und anderen Geberländern diese Märkte mit Textilien aus Altkleiderspenden zu konkurrenzlos niedrigen Preisen überfluteten. Dies hätte die einheimische Textilindustrie in den Ruin getrieben, sowie viele Arbeitsplätze und Existenzen zerstört.

Im Bericht des ZDF widerspricht Andreas Voget des Dachverbandes FairWertung, der sich für mehr Transparenz und Verantwortlichkeit beim Sammeln und Verwerten von gebrauchter Kleidung einsetzt, diesem Sachverhalt und betont die ökologische Sinnhaftigkeit von Kleiderspenden. Demnach sei die Wiederverwendung von Altkleidern eine gute Sache, denn die Produktion von neuen Textilien verschlucke Unmengen an Ressourcen und bei der Herstellung müssten viele Chemikalien und Pestizide eingesetzt werden. Aus Abfall neues zu produzieren, hieße auch Abfall zu reduzieren. Die einheimischen Textilbetriebe seien aufgrund der allgemeinen Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt Pleite gegangen – nicht durch den Handel mit Altkleidern. Daneben schaffe der Altkleiderhandel Arbeitsplätze und Erlösquellen, z. B. für Markthändler, Änderungsschneidereien oder 2nd Hand Läden.

Die Reaktionen

Insbesondere die Reportage des NDR veranlasste einige Organisationen aus der Altkleiderverwertungskette dazu, ihre eigene Sichtweise zu diesem Thema klarzustellen. So veröffentlichte der DRK-Bundesverband beispielsweise eine Stellungnahme auf seiner Website, um den Vorurteilen hinsichtlich der “Altkleider-Lüge” entgegenzuwirken. Hierin wird die Wichtigkeit von Altkleiderspenden zur Finanzierung der ehrenamtlichen Arbeit des DRK betont. Auch das DRK beruft sich in seiner Stellungname auf die Studien des Dachverbandes FairWertung und betont neben der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, dass der Altkleiderhandel in Ländern wie Tansania und Kamerun gerade den Armen der Bevölkerung ermögliche, sich vergleichsweise kostengünstig mit guter Bekleidung zu versorgen.

Gleichzeitig wird jedoch darauf verwiesen, dass letztlich jeder einzelne regionale DRK-Verband selbst darüber entscheide, was mit den gespendeten Altkleidern passiert – also in welcher Form diese verwertet werden und wohin genau die daraus gewonnenen Erträge fließen. Dies wird sowohl in der Dokumentation des NDR als auch des ZDF kritisiert, da die Transparenz der Altkleiderspende beim Deutschen Roten Kreuz wie bei anderen Hilfsorganisationen darunter leide, dass Spender nicht ausreichend (z. B. durch eindeutige Beschriftungen auf Altkleidercontainern) über die Verwertung der Textilien informiert würden und jeder Ortsverband etwas anderes damit tue. Das DRK gelobt in seinem Schreiben Besserung und hält seine regionalen Verbände an, das Transparenzproblem durch klare und offene Kommunikation hinsichtlich der Altkleiderverwendung zu entschärfen.