Altkleiderspenden kontrovers bei NDR und ZDF

Zwischen den beiden Reportagen über das Spenden von Altkleidern des NDR bzw. der ARD Die Altkleider-Lüge – wie Spenden zum Geschäft werden (2011) und der des ZDF Die Masche mit den alten Kleidern (2012) liegt nur ein Jahr. Dies kann aber nicht der Grund dafür sein, dass sich die Grundaussagen der beiden Dokumentationen deutlich voneinander unterscheiden. Insbesondere wird die Vorgehensweise bei der Einsammlung der Altkleiderspenden durch karitative Verbände wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Malteser Hilfsdienst oder der Caritas anders beurteilt. Der größte Unterschied liegt jedoch in der Bewertung der  ökonomischen und sozialen Auswirkungen von Altkleiderspenden aus wohlhabenden Ländern auf die Empfängerländer in Osteuropa und Afrika.

Die Masche mit Altkleidern

Spenden der Altkleider wird nachgegangen

Die Thesen

Schon der reißerische Titel macht deutlich, was die Botschaft der Dokumentation des NDR sein soll: Ahnungslose Spender würden unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit hinters Licht geführt. Ihre Kleidung käme nicht bei Hilfsbedürftigen an, sondern werde mit Hilfe von Unternehmen wie der SOEX Group bzw. ihrer Tochter EFIBA in Entwicklungsländern skrupellos zu Geld gemacht. Mit dem Altkleiderhandel werde zudem die heimische Textilindustrie in afrikanischen Staaten wie Tansania, wo die Nachfrage nach Altkleidern besonders hoch ist, zerstört. Dies hinge damit zusammen, dass Händler aus Deutschland und anderen Geberländern diese Märkte mit Textilien aus Altkleiderspenden zu konkurrenzlos niedrigen Preisen überfluteten. Dies hätte die einheimische Textilindustrie in den Ruin getrieben, sowie viele Arbeitsplätze und Existenzen zerstört.

Im Bericht des ZDF widerspricht Andreas Voget des Dachverbandes FairWertung, der sich für mehr Transparenz und Verantwortlichkeit beim Sammeln und Verwerten von gebrauchter Kleidung einsetzt, diesem Sachverhalt und betont die ökologische Sinnhaftigkeit von Kleiderspenden. Demnach sei die Wiederverwendung von Altkleidern eine gute Sache, denn die Produktion von neuen Textilien verschlucke Unmengen an Ressourcen und bei der Herstellung müssten viele Chemikalien und Pestizide eingesetzt werden. Aus Abfall neues zu produzieren, hieße auch Abfall zu reduzieren. Die einheimischen Textilbetriebe seien aufgrund der allgemeinen Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt Pleite gegangen – nicht durch den Handel mit Altkleidern. Daneben schaffe der Altkleiderhandel Arbeitsplätze und Erlösquellen, z. B. für Markthändler, Änderungsschneidereien oder 2nd Hand Läden.

Die Reaktionen

Insbesondere die Reportage des NDR veranlasste einige Organisationen aus der Altkleiderverwertungskette dazu, ihre eigene Sichtweise zu diesem Thema klarzustellen. So veröffentlichte der DRK-Bundesverband beispielsweise eine Stellungnahme auf seiner Website, um den Vorurteilen hinsichtlich der “Altkleider-Lüge” entgegenzuwirken. Hierin wird die Wichtigkeit von Altkleiderspenden zur Finanzierung der ehrenamtlichen Arbeit des DRK betont. Auch das DRK beruft sich in seiner Stellungname auf die Studien des Dachverbandes FairWertung und betont neben der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, dass der Altkleiderhandel in Ländern wie Tansania und Kamerun gerade den Armen der Bevölkerung ermögliche, sich vergleichsweise kostengünstig mit guter Bekleidung zu versorgen.

Gleichzeitig wird jedoch darauf verwiesen, dass letztlich jeder einzelne regionale DRK-Verband selbst darüber entscheide, was mit den gespendeten Altkleidern passiert – also in welcher Form diese verwertet werden und wohin genau die daraus gewonnenen Erträge fließen. Dies wird sowohl in der Dokumentation des NDR als auch des ZDF kritisiert, da die Transparenz der Altkleiderspende beim Deutschen Roten Kreuz wie bei anderen Hilfsorganisationen darunter leide, dass Spender nicht ausreichend (z. B. durch eindeutige Beschriftungen auf Altkleidercontainern) über die Verwertung der Textilien informiert würden und jeder Ortsverband etwas anderes damit tue. Das DRK gelobt in seinem Schreiben Besserung und hält seine regionalen Verbände an, das Transparenzproblem durch klare und offene Kommunikation hinsichtlich der Altkleiderverwendung zu entschärfen.