Neue Wege der Altkleidersammlung

Der Schwarzwald Baar Kreis schlägt neue Wege gegen den Wildwuchs der illegalen Altkleidercontainer ein. Gemeinsam mit sechs karitativen Hilfsorganisationen hat sich der Landkreis zu einer Kooperation zusammengeschlossen, um so dem Bürger ein flächendeckendes Netz an legalen Altkleidercontainern zu bieten. Seit August 2014 stehen an 70 Standorten (zur Kartenansicht) die blauen Kooperationscontainer mit gemeinsamen Logo.

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Gemeinsam gegen die Illegalen

Altkleidercontainer-blauBis zum Start der Initiative hatten unseriöse Unternehmen immer wieder Altkleidercontainer ohne Genehmigung auf öffentlichen Grund gestellt. Zum Ärger der Städte und Gemeinden, die einen hohen Aufwand erbringen müssen, um die Container juristisch korrekt zu entfernen. Aber auch die Hilfsorganisationen wie z. B. das DRK Villingen-Schwenningen verloren durch die illegalen Altkleidercontainer wichtige Einnahmen für ehrenamtliche und soziale Projekte. Die Idee des Landkreises,  in 19 Städten und Gemeinden die illegalen durch neue Kooperationscontainer zu verdrängen, stieß auf viel Zuspruch. Neben den neuen Containern sollten die bereits vorhandenen karitativen Container bestehen bleiben. Seit August wurden 32 illegale Container dauerhaft aus dem Verkehr gezogen und 72 Kooperationscontainer aufgestellt.

Landkreis beteiligt Hilfsorganisationen am Gewinn

Um die bereits sammelnden Hilfsorganisationen für die neue “Konkurrenz” durch die Kooperationscontainer zu kompensieren, beteiligt der Landkreis die Kooperationspartner mit 20% am Gewinn. Dieser ergibt sich durch den Verkaufserlös der Altkleider an die FWS GmbH abzüglich der Kosten für die Verwaltung der Container. In den ersten 5 Monaten lag die Sammelmenge bei 74 Tonnen.

Ein Gewinn für die Umwelt

Für jedes Kilo Baumwolle, welches neu produziert wird, werden durchschnittlich 15.000 Liter Wasser benötigt. Ebenfalls belasten Pestizide und Chemikalien zur Einfärbung der Stoffe unsere Umwelt. Die Kleidung aus dem Schwarzwald Baar Kreis kann zu fast 50% (siehe Grafik unten) weiter getragen und muss eben nicht neu produziert werden. Berechnet man nur die Wasserersparnis der Baumwollkleidung, ergibt sich eine Ersparnis von 1.050.000.000 Liter (1,05 Milliarden) Wasser in 5 Monaten.

Verwendung der Gewinne aus den Altkleidern

Die Hilfsorganisationen nutzen die zusätzlichen Einnahmen für die Finanzierung ihrer sozialen Arbeit und Projekte z.B. für ein Bildungszentrum und eine Ambulanz in Togo (Help World e. V.) oder zur Mitfinanzierung von Sprachkurse für Asylbewerber (Kolping Bildungswerk e. V.). Die Einnahmen aus den Altkleidern helfen im Schwarzwald-Baar-Kreis die Müllgebühren stabil zu halten.

Der Weg der Altkleider

Die Altkleidercontainer werden regelmäßig von der FWS geleert und in einen Sortierbetrieb gebracht. Hier werden die Altkleider aus dem Schwarzwald Baar Kreis in bis zu 400 Kategorien per Hand einsortiert. Rund die Hälfte der Kleidung kann noch weitergetragen werden und wird als Second-Hand-Qualitätsware meist nach Osteuropa oder Afrika exportiert. Die Kleidung, die nicht mehr getragen werden kann, wird in der Industrie als Putzlappen genutzt oder sie wird zerschreddert und dient als Dämmmaterial – z. B. für Waschmaschinen. Ein weiteres Einsatzgebiet für nicht mehr tragbare Kleidung ist die Herstellung von Autoteilen. So muss nur ein kleiner Teil, der nicht mehr nutzbar ist, in Müllverbrennungsanlagen verbrannt werden. Warum dieses Vorgehen ökonomisch und ökologisch sinnvoll ist, beschreiben wir in diesem Beitrag.

Diese Grafik zeigt den Weg der Altkleider vom Container über die Sammlung und die Sortierung bis hin zur Weiterverwendung. Im unterem Teil werden die Wege und die Verwendung der Erlöse dargestellt.

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Entwicklung kommunaler Altkleidersammlungen

Seit dem 1. Juni 2012 besteht das reformierte Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG). In Folge dessen haben über 110 Städte und Gemeinden selbst Sammelcontainer aufgestellt (Stand Ende 2014) und die Verwertung der Altkleider öffentlich ausgeschrieben. Obwohl dies nur 2% aller Städte und Gemeinden in Deutschland sind, hatte dies bedeutende Auswirkungen auf den Altkeidermarkt.

Ausschreibungen-Kommunen-Altkleider

Entfernen von illegalen Altkleidercontainern

Nach Schätzungen von Experten ist jeder dritte Altkleidercontainer in Deutschland ohne Genehmigung aufgestellt worden. Der Preisanstieg in den letzten Jahren beförderte das unrechtmäßige Vorgehen unseriös operierender Unternehmen. Das Entfernen der illegalen Container bedeutet für die Ordnungsämter, auf Grund der Gesetzeslage, einen hohen finanziellen Aufwand, der zusätzlich die knappen Kassen der Kommunen belastet. Als Lösung etablierte sich die kommunalisierte Altkleidersammlung.

Preisspirale durch höhere Nachfrage und illegale Container

Der steigende Preis wurde zunächst von einer zunehmenden Nachfrage auf dem Weltmarkt ausgelöst und durch die illegal aufgestellten Container weiter verstärkt. Denn Altkleider aus den wilden Containern wurden ohne heimische und fachgerechte Sortierung direkt exportiert – zum Nachteil der lokalen Textilverwertungsunternehmen. Um die Sortieranlagen in Deutschland und Westeuropa weiter auszulasten, mussten höhere Beschaffungspreise für legal gesammelte Altkleider geboten werden.

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Preisabfall ab Mitte 2014

Die Preissteigerungen wecken das Interesse weiterer Kommunen, die ihren Haushalt durch das Sammeln von Altkleidern aufbessern wollten. Durch die vermehrte Säuberung von illegal aufgestellten Containern fällt seit Mitte 2014 der Preis für Altkleider deutlich. Die Umkehr der Preisspirale beruht auf gleichen Mechanismen wie zuvor der Preisanstieg. Auf dem Weltmarkt sinkt die Nachfarge durch die Ebola Epidemie in West-Afrika, den niedrigen Rubel und Konflikte in der Ost-Ukraine sowie in Syrien. Gleichzeitig werden immer mehr kommunale Altkleidercontainer aufgestellt, was zu einem erhöhten Sammelaufkommen führt.

Die Sorge der bestehenden legalen Sammlern

Die bereits in der Altkleidersammlung aktiven karitativen Organisationen wie z. B. das DRK, die Malteser oder Caritas, aber auch legale Wirtschaftsunternehmen, begegneten den ambitionierten Plänen der Kommunen mit großer Sorge. Insbesondere sorgen Sie sich um ihre eigenen Sammelerlöse. Viele, aber längst nicht alle, Kommunen inkludierten die karitativen Organisationen in die Strategie, sodass gemeinnützigen Projekten nicht die aus der Kleidersammlungen stammende, finanzielle Grundlage entzogen wurde (z. B. in Freiburg).

Der im Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) gesetzlich festgelegte Bestandsschütz für bereits sammelnde Wirtschaftsunternehmen war Anlass für das ein oder andere Gerichtsverfahren. Gegenteilige Urteilssprüche der Richter halten die Unsicherheit für private Altkleidersammler hoch.

Ausschreibungen für Verwertungsunternehmen

Die meisten Kommunen (bzw. öffentlich-rechtliche Entsorgter) sammeln, sortieren und verwerten die Altkleider nicht selbst. Dies übernehmen Verwertungsunternehmen, wie z. B. FWS oder Efiba. Die Kommunen beteiligen sich an der Altkleidersammlung, indem sie Stellplätze und Container zur Verfügung stellen. Verwertungsunternehmen entleeren die Container, sortieren die Kleidung und verkaufen diese an unterschiedliche Abnehmer (Mehr dazu hier). Die bei den Kommunen entstehenden Gewinnen sollen den jeweiligen Haushalt so bestmöglich aufbessern.

Das Problem: Die “Best-Price-Praxis”

Die “Ware” Altkleider wird oft von der Kommune an das meistbietende Verwertungsunternehmen verkauft. Welches Unternehmen den Zuschlag bekommt, wird in einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren ermittelt. Dabei lassen sich einige Kommunen, bei ihrer Entscheidung für oder gegen ein Verwertungsunternehmen, allzu oft vom besten finanziellen Angebot leiten – qualitative Anforderungen an teilnehmende Unternehmen bleiben unberücksichtigt.

Diese “Best-Price-Praxis” erregt Missmut bei Umweltverbänden, ebenso wie bei einigen zertifizieren Entsorgungsunternehmen, die die hohen Standards in der Kreislaufwirtschaft sowie viele Arbeitsplätze in den deutschen Fachbetrieben (Stichwort Mindestlohn) sicherstellen müssen.

„Dieses Vorgehen gefährdet die hohen Standards in der Kreislaufwirtschaft sowie viele Arbeitsplätze in den deutschen Fachbetrieben. Die Betriebe erfüllen sämtliche umweltrechtlichen Anforderungen und es gilt der Mindestlohn. Wenn nur der Preis entscheidet, haben sie das Nachsehen“, so bvse-Fachreferentin Beate Heinz.

Die Lösung: Höhere Qualitätsanforderungen an die Verwertungsunternehmen.

Unternehmen, die diese hohen Standards erfüllen und sich gleichzeitig durch das Vorgehen mancher Kommunen benachteiligt sehen, wollen mit der „Gemeinschaft für textile Zukunft“ (GftZ) eine hochwertige und wertschöpfende Erfassung und Verwertung von Alttextilien etablieren und sicherstellen. Dazu setzen sich die Mitglieder der GftZ u. a. für mehr qualitative Kriterien in den Ausschreibungsverfahren der öffentlich-rechtlichen Entsorgter ein.

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Weitere Kommunen wollen einsteigen

Auch wenn der Preis für Altkleider rückläufig ist, werden in den nächsten Monaten weitere kommunalisierte Altkleidersammlungen entstehen. Ob die Kommunen das Altkeiderrecyling, aus ökologischer und ökonomischer Sicht, erfolgreich optimiert haben, kann noch nicht abschließend beantwortet werden. Die in den letzten drei Jahren beobachteten Auswirkungen sind sehr unterschiedlich und müssen  nach dem ersten “Preissturz” seit Änderung des Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) erneut betrachtet werden.

Die Altkleiderwirtschaft – Meldungen 2014

“Konkurrenzkampf” ist auch 2014 das Top-Thema im Altkleidergeschäft. Städte und Gemeinden kämpfen gegen illegale Kleidersammler und kommunalisieren die Altkleidersammlungen. Gewerbliche Sammler klagen gegen  Kommunen, um ihr Recht, Altkleider sammeln zu dürfen, gerichtlich durchzusetzen. Leittragende sind wiederholt die gemeinnützigen Sammelorganisationen, bei denen das Aufkommen 2014 oftmals rückläufig ist. Der Preis für Altkleider pro Tonne hat im Sommer 2014 seinen Zenit erreicht und bleibt bis zum Jahresende auf einem hohen Niveau. Die Geschehnisse in Russland bzw. der Ukraine, die IS-Truppen in Syrien und Irak sowie die Ebola-Epidemie in Westafrika bremsen vorübergehend die Nachfrage nach Altkleidern aus Deutschland. Über das Spendenaufkommen und die Recyclingquote gibt es auch 2014 keine aktuellen Zahlen für das gesamte Bundesgebiet.

Besonders im ersten Halbjahr berichteten die großen Medien über die Wandlungen auf dem Altkleidermarkt. Nun aber der Reihe nach: Ausgewählte Meldungen über das Geschäft mit unseren Altkleidern 2014.

Januar

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++Gewinnverteilung in Köln++

Die Bild-Zeitung berichtete, dass die Stadt Köln 1.000 illegale Container einziehen und 750 städtische Container der AWB Köln aufstellen will. Der Gewinn aus dem Verkauf soll 50/50 zwischen Stadt und karitativen Organisationen geteilt werden.

++Upcycling++

Der Januar startete mit einem guten Bericht auf 3sat, der zeigt, wie afrikanische Designerinnen aus Mitumba (Altkleider) mit viel Liebe zum Detail echte Schmuckstücke machen.

++Weitere Städte wollen einsteigen++

Immer mehr Städte wollen mitmischen und die Altkleidersammlung selbst regeln: Die Abfallwirtschaft Rendsburg-Eckernförde (AWR) will 2014 bis zu 400 Container aufstellen. Flensburg, Bedburg, Düsseldorf und viele weitere werden dieses Jahr noch folgen.

++Thema im Spiegel++

Der Spiegel berichtete in einem großen Artikel, dass die Kommunen mit Altkleidersammlungen Geld verdienen wollen. Dies befeuere den Wettbewerb um gebrauchte Klamotten. Die karitativen Verbände sind in der Zwickmühle, denn nicht alle Kommunen holen sie mit ins Boot.

++Kampf gegen Illegale++

Die Praktiken der illegalen Altkleidersammler und was die Kommunen dagegen tun, zeigte anschaulich eine Reportage auf Pro7. Prinzipiell werden die Ordnungsämter immer aktiver, insbesondere dort, wo die Kommune/Stadt an einem geregelten Sammelsystem ein erhöhtes Interesse hat.

++Schranken für die Stadtverwaltung++

Die Stadt Ingolstadt verliert einen Prozess vor dem Münchner Verwaltungsgericht. Die Stadt hatte zuvor einem privaten Unternehmen die Sammellizenz entzogen.

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10.000 legale Altkleidercontainer online

Heute mal eine Nachricht in eigener Sache. In letzter Zeit haben wir (leider) nicht mehr soviel geschrieben. Dies hatte aber einen (guten) Grund, denn wir haben eifrig Altkleidercontainer und Kleiderkammern ins System eingeben. Ja, jeder Standort wurde manuell überprüft!

10000 legale Altkleidercontainer

über 10000 legale Altkleidercontainer online

Wir feiern den 10.000sten Standort

Zwischenzeitlich hat die Webseite unter der Datenlast ganz schön gestöhnt, aber Dank unserem Mann für die Technik Amos, läuft die Suchmaschine jetzt wieder wie geschmiert. Nun sind wir stolz zu vermelden, dass auf altkleiderspenden.de nun über 10.000 legale Altkleidercontainer und Kleiderkammern in Deutschland zu finden sind. Zu jedem Standort ist der Name der Organisation genannt, die den Altkleidercontainer oder  die Kleiderkammer betreibt. Zusätzlich zur Organisation nennen wird die Rechtsform der Organisation (auf der Detailseite des Standorts). Dabei haben wir in karitative Organisationen (z.B. e.V. oder gGmbH) kommunale Entsorgter (Stadt oder Gemeinde) und Wirtschaftsbetriebe (GmbH oder AG) unterschieden.  Wir wollen explizit erwähnen, dass ein Großteil, der an diesen Standorten gesammelten Altkleider, von der Firma FWS aus Bremen eingesammelt und von der Firma TexTrade in Bremerhaven sortiert und verkauft wird. Aus unserer Sicht ist dieser Weg der Altkleider ökologisch und ökonomisch sinnvoll.

Und dann wollen wir noch mehr

Wir werden uns nicht mit 10.0000 zufrieden geben – denn wir haben noch nicht alle legalen Standorte für Kleiderkammern und Altkleidercontainer online. Glücklicherweise werden durch konsequenteres Eingreifen von Ordnungsämter, immer mehr illegale Altkleidercontainer aus dem Verkehr gezogen. Auch sehen wir eine positive Entwicklung bei der transparenteren Kommunikation über den Weg der Altkleider . So macht es Spaß!

Echte Handarbeit: Das Sortieren der Altkleider

Ein Großteil der gesammelten Altkleider (ca. 99%) wird nicht direkt an Bedürftige in Deutschland oder in Katastrophengebieten verteilt. Dies ist völlig okay, da die 750.000 Tonnen Altkleider pro Jahr den karitativen Bedarf bei weitem übersteigen. Altkleiderrecycling ist ein Wirtschaftszweig, der den Gesetzen der Marktwirtschaft folgt und Angebot und Nachfrage zusammenbringt. Dabei entsteht allerdings nicht nur ein finanzieller, sondern auch ein ökologischer Gewinn – vorausgesetzt die gesetzlichen  und moralischen Vorgaben werden eingehalten.

Ein wichtiger Schritt im Altkleiderrecycling ist das sortieren der Altkleider

Altkleider Sortieranlage

Altkleider werden zunächst grob vorsortiert.

Altkleider unsortiert nach Afrika zu verkaufen ist zwar lukrativ aber nicht ökologisch, da Transportkapazitäten verschwendet werden und so auch viel unbrauchbarer Müll in Afrika landet. Altkleider sollten daher unbedingt sortiert werden, bevor sie weiter verarbeitet werden.

Wir haben die Einladung der Firma FWS wahrgenommen und uns den Sortierbetrieb von Texttrade in Bremerhaven angesehen. Hier werden etwa 40 Tonnen Altkleider am Tag von ca. 80 meist weiblichen Mitarbeitern sortiert. 

Im Sortierbetrieb wird nach zwei groben Kriterien unterschieden

  1. Tragfähigkeit
  2. Marktfähigkeit

Ökonomisch und ökologisch am besten ist es, wenn soviel Kleidung wie möglich weiter getragen wird. Doch die Tragfähigkeit hat ihre Grenzen. Fleckige oder löchrige Kleidung gilt als nicht mehr tragfähig und wird sofort aussortiert. Die Marktfähigkeit ist etwas schwieriger zu beurteilen. Es geht dabei um die Frage, wie gefragt ein Kleidungsstück momentan ist. Insbesondere Kleidung, die jahrzehntelang auf dem Dachboden lag, wird als nicht mehr marktfähig eingestuft, auch wenn sie stofflich völlig in Ordnung sind.

Eine Ausnahme ist so genannte Vintage-Kleidung – Kleidung, die eigentlich schon aus der Mode geraten war, nun aber wieder “in” und sehr gefragt ist. Wenn man nicht gerade ein Naturtalent darin ist, modische Trends zu erkennen, macht es jedoch Sinn, diese nicht auf dem Dachboden oder im Keller zu horten, sondern Kleidung, die aussortiert ist, zeitnah ein einen Altkleidercontainer zu werfen.

Besuch bei FWS im Sortierbetrieb

Von links nach rechts. Oliver Schien (FWS), Tobias Ebert, Rainer Binger (FWS), Amos Groth

Ansonsten wird aus Ihrem schicken Marken-Rolli von 1991 nur noch sogenannte Reißware. Dabei werden die Kleidungsstücke zerschreddert und gelangen z. B. als Sekundärstoff in die Automobilindustrie.

Neben den normalen Kleidern und Schuhen tauchen auch immer wieder skurrile Artikel und wahre Schätze auf. Stofftiere, Hörgeräte, Brillen, Gebisse oder Handys werden ebenfalls aussortiert und weitergegeben. Im Sortierbetrieb gibt es sogar “Schatzsucher”, die Ausschau nach wertvollen Einzelstücken haben, um diese an 2nd Hand Läden oder über das Internet zu verkaufen. Doch hier sind die Entsorgungskosten des großen Rests meist höher als der Erlös. Schmeißen Sie daher keinen “Müll” in Altkleidercontainer.

Altkleider in der Automobilindustrie

Leider landen noch immer sehr viele Altkleider im Hausmüll. Die Gründe dafür sind unterschiedlich – ein Grund ist die fehlende Klarheit auf die Frage:

Gehören abgetragene, löchrige oder fleckige Altkleider in den Hausmüll oder in die Altkleidersammlung?

Zu dieser Frage findet man unterschiedliche Antworten. Die Kleidersammler, die vor allem an der lukrativen Weitergabe (Verkauf) der tragfähigen Altkleider interessiert sind, beantworten diese Frage oft mit einem “Nein”. Der Hintergrund ist dabei, dass zerrissene Altkleider für den 2nd Hand Markt unbrauchbar sind und somit kein Gewinn oder sogar Kosten für die Entsorgung anfallen.

Kaputte oder fleckige Altkleider in den Altkleidercontainer?

Kaputte oder fleckige Altkleider in den Altkleidercontainer? JA!

Wirklich umweltbewusste Altkleidersammelorganisationen beantworten diese Frage häufiger mit einem “Ja”, denn aus diesen Kleidungsstücken entsteht ein neuer Rohstoff für Dämm-und Isolierstoffe, der vor allem in der Automobilindustrie benötigt wird. Jetzt schon sind rund ein Drittel aller gesammelten Altkleider nicht mehr tragbar, eignen sich aber als Rohstoff für neue Produkte. Dies schont die Umwelt und reduziert den Hausmüll.

Werden durch die untragbaren Kleidungsstücke keine anderen Textilien in Mitleidenschaft gezogen (z. B. stark verschmutze oder stinkende Kleidung), können diese also am besten durch die Altkleidersammlung recycelt werden.

Altkleider als Rohstoff für Dämm-und Isolierstoffe

Der folgende Film aus der Sendung n-tv Wissen zeigt dies anschaulich (leider zwei mal Werbung).

Altkleider als Rohstoff in der Automobilindustrie

Altkleider als Rohstoff in der Automobilindustrie

Altkleider – Müll, Bargeld oder Wertstoff?

Vor dem Gesetzt sind Altkleider Müll. Für Altkleidersammler sind sie wie Bargeld. Doch welchen Bezug haben die Spender zu ihren ausrangierten Textilien?

Wenn der Kleiderschrank mal wieder aus allen Nähten platzt, muss aussortiert werden. Möchte man nicht den ganzen Tag damit verbringen, müssen die Entscheidungen im Sekundentakt getroffen werden. Was ist abgetragen? Was passt nicht mehr (und wird auch nicht mehr passen – ehrlich)? Was hatte ich seid 12 Monaten nicht mehr an?

Je größer die Emotion, desto schwieriger ist es die Kategorie “Altkleider” zu vergeben.

Zu vielen Kleidungsgegenständen gibt es eine emotionale Bindung. Viele unserer Hosen, Röcke, Schuhe und T-Shirts haben eine kleine Geschichte. “Diese Schule habe ich mir damals nach der Trennung gekauft” “Dieses Shirt war 2 Jahre lang mein absolutes Lieblingsstück” “In diese Hose wollte eigentlich mal wieder reinpassen”

Der Gedanke, dass sich jemand anderes darüber freuen wird, lindert den Trennungsschmerz.

Im Mai 2013 haben wir eine Umfrage unter 200 Altkleiderspendern durchgeführt.

Auf die Frage, Die Verwendung meiner Altkleider interessiert mich? (Skala von “interessiert mich sehr” bis “interessiert mich überhaupt nicht”) antworteten die Befragen wie folgt:

Verwendung der Altkleider

Hohes Interesse an der Verwendung der Altkleider haben über 50%

Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass 51% der Befragen ein großes Interesse haben, zu erfahren was mit ihrer Spende passiert. Diese Spender bevorzugen die Abgabe ihrer Textilien in der Kleiderkammer, da Sie glauben ihre Kleidung wird hier bestmöglich weiterverwendet.

Auf die Frage “Wussten Sie, dass Altkleider zu 99% weiterverkauft werden und nicht als “Spende” weitergegeben werden?” antworteten nur 49% mit “ja”. D.h. auf der anderen Seite denken 51% dass ihre Spende kostenlos an Bedürftige in Afrika und Deutschland verteilt wird.

Nur 49% der Befragen wissen was passiert

Nur 49% der Befragen wissen was passiert

 

Die kostenlose Weitergabe der Altkleider an Bedürftige ist eine Illusion, die Jahrzehnte lang von vielen Altkleiderverwerten aufrecht gehalten und sogar gefördert wurde, obwohl Altkleider schon immer größtenteils verkauft wurden. Dies gilt auch für  gemeinnützige und karitative  Sammler. Erst in den letzen Jahren bemühen sich seriöse Sammelorganisationen um größere Transparenz und kommunizieren den Weg der Altkleider offen.

Altkleidercontainer

Altkleidercontainer sind die häufigste Sammelmethode für Altkleider. In Deutschland gibt es zurzeit ca. 100.000 Container für Altkleider. Dies bedeutet, dass auf 800 Bundesbürger ein Altkleidercontainer entfällt. Die Betreiber der Altkleidercontainer sind unterschiedliche Organisationen. Grob lassen sich die Betreiber in drei Kategorien einteilen:

Betreiber von Altkleidercontainern

  1. Altkleidercontainer von gemeinnützige, karitativen oder kirchliche Organisationen
  2. Altkleidercontainer von von gewerblichen Unternehmen
  3. Altkleidercontainer von von Städten und Kommunen
Unterschiedliche Betreiber von Altkleidercontainern

Unterschiedliche Betreiber von Altkleidercontainern

Die Wettbewerb um die Altkleider und die damit verbundenen steigenden Preise führt zu immer mehr illegalen Altkleidercontainern, d.h. gewerbliche Unternehmen stellen Altkleidercontainer auf öffentlichen Grund ab, ohne diese zuvor beim Ordnungsamt anzuzeigen.

Unterschiede bei Altkleidercontainern

Die Altkleidercontainer unterscheiden sich nicht nur in Größe, Farbe und Aufmachung – auch die Gewinner aus den Altkleidercontainern haben einen unterschiedlichen Zweck. Die Gewinne der illegalen und gewerblichen Betreiber fließen zu 100% in private Taschen. Karitative Organisationen wie z.B. das Deutsche Rote Kreuz finanziert mit Altkleidern soziale Projekte und Städte und Kommunen wollen mit den Gewinnen aus Altkleidern die Müllgebühren senken.

Für den Altkleiderspender sind die Unterschiede bei Altkleidercontainer kaum zu erkennen. Nicht alle Behälter tragen ein Qualitätssiegel für Altkleidercontainer, welches einen nachhaltigen Umgang mit der Altkleiderspende sicherstellt.

Finden von Altkleidercontainern

Durch das Aufstellen und Entfernen von illegalen Containern, Umzug oder Orstwechsel wissen nicht alle Altkleiderspender wo sich ein Altkleidercontainer in der Nähe befindet. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht die Standorte von Altkleidercontainern im Internet darzustellen. Dabei listen wir nur legale Altkleidercontainer und nennen den Betreiber sowie den potenziellen Weg der gespendeten Altkleider.

Herstellung von Altkleidercontainern

Bei der der Herstellung von Altkleidercontainern gibt es insbesondere ökologische Unterschiede. Diese Unterschiede entstehen durch die längere Haltbarkeit und den nachhaltigen Herstellungsprozess der Altkleidercontainern. Seriöse Kleidersammler setzten auf qualitativ hochwertige Sammelcontainer mit einer Haltbarkeit von mehr als 10 Jahren, denn durch Wind und Wetter wird insbesondere die Oberfläche und die Einwurfklappe stark beansprucht.

Herstellung von Altkleidercontainer

Herstellung von Altkleidercontainer mit individueller Beschriftung

Über diese Qualitätsstandards hinaus hat die Firma JO-BA aus Bremen den ersten klimaneutralen Altkleiderconatiner produziert. Die für Herstellung und Material entstehenden Treibhausgase in Höhe von 1,2 Tonnen werden dabei durch ein Aufforstungsprojekt in Äthiopien neutralisiert. Pro Container werden somit 8 Bäume gepflanzt.

Abgrenzung gegenüber den illegalen Unternehmen

Illegal operierende Unternehmen, müssen mit der Gefahr rechnen, dass ihr Container konfisziert wird, und setzten daher schon bei der Anschaffung auf Billigware. Legale Altkleidercontainer erkennen Sie zusätzlich durch die individuellen Gestaltung der Oberfläche.

Aufwendig gestalteter Altkleidercontainer von FWS

Aufwendig gestalteter Altkleidercontainer von FWS

Cleveres Altkleiderspenden – Wissenswertes und Tipps

Das Frühjahr hat begonnen und mit diesem steht das Ausmisten des Kleiderschranks bevor. Sich von Kleidung zu trennen, ist für viele (Frauen) nicht einfach. An vielen Teilen hängt ein Stück Erinnerung, an manchen sogar noch das Preisschild. Nach einem Jahr oder weniger getragen – ist die Jeans oder der Pulli oldfashioned geworden, nur wohin damit?

Spenden macht Sinn

In den nächsten Altkleidercontainer um die Ecke? Oder gibt es noch andere Alternativen? Auf jeden Fall spenden, denn Altkleider helfen Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen, indem z. B. der Wasserverbrauch durch künstliche Bewässerung bei der Kleiderherstellung verringert wird. Aus alten Klamotten können Teppiche, neue Kleidung oder Putzlappen hergestellt und weiterverkauft werden – Textilrecyling fördert einen nachhaltigeren Umgang mit Ressourcen.

Das Geschäft mit den Altkleidern

Da die Sammlung der Altkleider ein lukratives Geschäft ist, werden vermehrt illegale Container in Wohngegenden aufgestellt. Wenn überhaupt, dann nur mit einer (nicht erreichbaren) Handynummer versehen, aber nie einer seriösen Organisation zugehörig. Finger weg von solchen Containern! Aber auch der Einwurf in einen Container mit dem Namen einer karitativen Einrichtung garantiert noch nicht, dass ihre Altkleiderspende kostenlos dorthin geht, wo wir sie vermuten.

Karitative Organisationen beauftragen in der Regel professionellen Sortierbetriebe wie die Soex Group, die sich um das Entleeren, Sortieren und Weiterverkaufen kümmern. Erstere bekommen von den Erlösen nur einen kleinen Teil und können damit ihre sozialen Projekte finanzieren. Die Kleidung landet zwar oft in Afrika, sie wird jedoch nicht kostenlos an die Menschen dort verteilt – das sollte jedem klar sein. Die Altkleider aus Deutschland werden auf den afrikanischen Märkten zwar relativ günstig angeboten – z.B. 1-2 Euro für ein T-Shirt, 5 Euro für eine Jeans – aber die wirklich Bedürftigen können sich selbst das nicht leisten.

Ist der Secondhandladen die bessere Wahl?

Auch die Abgabe in Kleiderkammern oder Secondhandläden garantiert nicht, dass die Kleidung kostenlos an Bedürftige gegeben wird. Überschüssige und gut erhaltene Kleidung geht auch hier über Sortierbetriebe nach Osteuropa und Afrika. Kleiderkammern oder Secondhandläden wollen oft nur die richtig gut erhaltenen Stücke, den Rest nehmen sie gar nicht erst an. Aber nicht mehr tragbare Kleidung wird zu Dämmstoffen und Putzlappen verarbeitet und gehört damit nicht in den Hausmüll. Nur stark verschmutze Kleidung, einzelne Schuhe oder Kunststoffdecken gehören nicht in den Altkleidercontainer.