Textile Ladenhüter – Wohin mit Kleidung aus Überproduktionen?

Nicht nur bei Lebensmitteln, auch bei Kleidung und anderen Textilprodukten gibt es jedes Jahr große Mengen, die nicht verkauft werden. Diese “Restanten” landen, ebenso wie Altkleider, in einem neuen globalen Wirtschaftskreislauf. Wir von altkleiderspenden.de befassen uns in diesem Artikel mit den “Altkleidern der Produzenten”.

Gründe für Überproduktionen

Die Gründe für nicht verkaufte Kleidung sind vielfältig und teilweise durch die Textilproduzenten nicht vermeidbar. Experten schätzen, dass eine Quote von 85 Prozent verkaufter Ware sehr gut ist. Die meisten Produzenten schaffen aber nur einen Abverkauf von 70 Prozent. Die Gründe:

  1. In Summe aller Modeproduzenten wird mehr produziert als nachgefragt.
  2. Ein zu warmer Winter oder ein verregneter Sommer lässt den Absatz schwinden und die Überproduktion steigen.
  3. Modehersteller, die am Trend vorbei produzieren, haben am Ende der Saison jede Menge Ladenhüter.

Neben diesen Gründen, gibt es aber auch weitere Szenerien für das Vorhandensein unverkaufter Kleidung. Geht ein Textilunternehmen insolvent, liegen meist noch große Mengen bereits produzierter Neuware beim Hersteller in der Produktion. Oder es werden versehentlich Mängelexemplare produziert, bei denen Farbe, Logo oder Stoffqualität nicht den Vorgaben entsprechen. So kommt es pro Jahr zu mehreren hundert Millionen Tonnen an Kleidung, die zunächst nicht verkauft werden kann.

Verkauf über andere Kanäle

Hat auch die letzte Rabattaktion nichts gebracht, versuchen Modehersteller ihre Überproduktionen in anderen Märkten zu platzieren. Dies sind z.B. Outlets auf der grünen Wiese oder Shoping-Clubs im Internet. Aber auch dieser Weg ist, sowohl von der Absatzenge als auch vom Preisnachlass, begrenzt. Markenhersteller sehen die Gefahr eines Imageschadens, wenn sie ihre Produkte zu Ramschpreisen in Billigläden verkaufen.

Verkauf an professionelle Resteverwerter

Hat der Modehersteller alle eigenen Möglichkeiten ausgeschöpft, muss er sich an Unternehmen werden, die ihm die Überproduktion komplett abkaufen. Zu niedrigsten Preisen versteht sich. Der Hersteller kann froh sein, wenn er die Produktionskosten wieder bekommt. Über Preise und Kalkulationen macht ein Insider folgende Rechnung: “Wenn ein Pullover im Laden 100 Euro kostet, hat der Händler ihn für 33 Euro eingekauft. Die Produktionskosten betrugen 17Euro. Diese 17 Euro, also den Selbstkostenpreis, will der Hersteller bei einer Verwertung gerne zurückhaben.”

Viel wichtiger als der Verkaufserlös sind dem Verkäufer allerdings die Konditionen, zu denen der Käufer die Ware weiterverkaufen kann. Denn hier droht erneut ein Imageschaden, wenn die Markenprodukte zu billig in Stammabsatzmärkten verkauft werden.

Alternative Wege für Textilhersteller

Vernichten durch verbrennen

zerstoerung-ueberproduktionEs ist absurd. Mache Modemarken vernichten ihre Überproduktionen, um einen Imageschaden wegen des hohen Preisnachlasses oder nachweisbarer Fehlkalkulation auszuschließen. Die Vernichtung durch Verbrennung passiert natürlich sehr diskret und unbemerkt, nur in seltenen Fällen wird dieses ökologische Verbrechen öffentlich. So geschehen bei der Modemarkte Victoria’s Secret und Louis Vuitton, die ungetragne Kleidung bzw. Produkte zerstören ließen und damit die Öffentlichkeit empörten.

Spenden an gemeinnützige Organisationen

Ein wesentlich sinnvollerer Weg, ist das Spenden der unverkauften Neuware an gemeinnütze oder karitative Einrichtungen sowie Gefängnisse, Schulen oder Vereine. Dieser alternative Weg ist nicht nur besser für die Umwelt, auch das Firmenimage nimmt so garantiert keinen Schaden. Um den Unternehmen das Spenden zu erleichtern, gibt es Organisationen, die die gespendeten Kleider in Empfang nehmen und anschließend weiter verteilen.

Die Kölner Organisation innatura hat sich auf die Vermittlung von Über- und Fehlproduktionen an gemeinnützige Einrichtungen spezialisiert. Die gGmbH innatura steuert über ein Onlineportal den gesamten Ablauf von der Beschaffung bis zur Lieferung der Sachspenden an gemeinnützige Organisationen und finanziert sich dabei ausschließlich durch eine Vermittlungsgebühr.

ueberproduktion-innatura