Ankaufsstellen für Altkleider sind illegal?

Was ist der Unterschied zwischen einem Second Hand Laden und einer Ankaufsstelle für Altkleider?

Dazu gibt es aktuell zwei unterschiedliche Meinungen in Marl: Michael Lauche der Chef des Zentralen Betriebshof in Marl argumentiert “Alttextilien seien grundsätzlich einem öffentlich-rechtlichen Versorger zu übergeben, das stehe so im Abfallwirtschaftsgesetz”  Doch auch hier gibt es Ausnahmen (Siehe unten). Allerdings nur nach vorheriger Anmeldung bei der zuständigen Behörde.

Ankaufsstellen für Altkleider illegal?

Ankaufsstellen für Altkleider illegal?

Hinzu kommt, dass im ganzen Stadtgebiet die werkstatt brassert gGmbH (eine Tochter von Stadt und Diakonie ) Altkleider sammelt. Andere gemeinnützige Organisationen  bekommen regelmäßig auch Genehmigungen, gewerbliche Sammler nicht.

Laut Ruhrnachrichten vom 11.4.: “Dass ein Unternehmer wie der Oer-Erkenschwicker Matthias Kukula nicht per Container, sondern in einem Ladenlokal sammelt, ändert rechtlich gar nichts.” sagt Stadt-Pressesprecher Daniel Rustemeyer und wird von bestätigt Jochem Manz Kreis-Pressesprecher .

Benötigen auch Second-Hand Läden eine Genehmigung?

Der 31-jährige Jungunternehmer Matthias Kukula sieht das völlig anders. Er sieht sich nicht in irgendeiner Melde- oder Genehmigungspflicht: „Ich tue doch nichts anderes als ein Secondhand-Unternehmer.“ Kukula bietet seinen Kunden 50 Cent pro Kilo Alttextilien, sofern diese gut erhalten, nicht zerrissen, schmutzig oder sonst unbrauchbar sind – also . Nach seinen Worten geht die Ware zum Wiederverkauf ins Ausland, insbesondere nach Osteuropa.

“Damit ist es bald vorbei.” sagt Manz im Namen der Kreises gegenüber den Ruhrnachrichten. Der Unternehmer hätte, so erläutert er, seinen Betrieb erst einmal ankündigen und drei Monate abwarten müssen. Jetzt bekommt er einen Bußgeldbescheid aus dem Kreishaus, verbunden mit der Aufforderung, den Geschäftsbetrieb ruhen zu lassen. Folgt er dieser Aufforderung nicht, erwartet ihn, so Manz auf Nachfrage, ein weiteres Bußgeld und die Untersagung seiner Geschäftstätigkeit. D.h. aber nicht, dass danach sein Laden wieder dauerhaft schließen muss. 

 

§ 17 Kreislaufwirtschaftsgesetz – KrWG

(2) Die Überlassungspflicht besteht nicht für Abfälle,

1.   die einer Rücknahme- oder Rückgabepflicht auf Grund einer Rechtsverordnung nach § 25 unterliegen, soweit nicht die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger auf Grund einer Bestimmung nach § 25 Absatz 2 Nummer 4 an der Rücknahme mitwirken; hierfür kann insbesondere eine einheitliche Wertstofftonne oder eine einheitliche Wertstofferfassung in vergleichbarer Qualität vorgesehen werden, durch die werthaltige Abfälle aus privaten Haushaltungen in effizienter Weise erfasst und einer hochwertigen Verwertung zugeführt werden

 

Recycling von Altkleidern (Teil 1)

Das Sammeln, Handeln und die Weiterverarbeitung von Altkleidern ist ein expandierender Wirtschaftszweig. Vor allem deutsche Altkleider sind in Osteuropa und Afrika eine begehrte Handelsware mit steigender Nachfrage. Aber auch in Deutschland werden immer mehr Produkte mit den Baumwollfasern der Altkleider hergestellt.

Altkleider werden zum Recycling gepresst

Altkleiderwürfel

Wer betreibt die Altkleiderverwertung?

Die Altkleiderverwertung hat in den letzten Jahren immer wieder Diskussionen hervorgerufen, insbesondere über die Sammelmethoden von karitativen und (illegal) gewerblichen Organisationen sowie über mutmaßlich negative Einflussfaktoren durch Altkleiderexporte in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Fast die gesamte Wertschöpfungskette der gespendeten Altkleider liegt in der Hand von kommerziell wirtschaftenden Unternehmen bzw. Einzelpersonen. Lediglich bei der Sammlung von Altkleidern sind teilweise karitative Einrichtungen beteiligt. Der Anteil der Spenden, der direkt an Hilfsbedürftige verteilt wird, ist entgegen dem weit verbreiteten Glauben dabei allerdings sehr gering. Nur ein Bruchteil der alten Textilien kommt Kleiderkammern zugute oder wird zum Zwecke der Katastrophenhilfe verwendet.

Altkleider auf Reisen – Ablauf der Wiederverwertung

Ausgangspunkt für das Recycling von alten Textilien sind also Sammlungen mit Hilfe von Containern oder Straßensammlungen. Kleidersammlungen per Post sind noch die Ausnahme. Pro Jahr werden in Deutschland etwa 750.000.000 Kilo alte Kleidung gespendet und von unzähligen karitativen und gewerblichen Sammlern an Sammelstellen direkt in bereitstehende LKW-Anhänger geladen. Von hier werden die Alttextilien in große Sortierbetriebe transportiert und da per Handarbeit am Fließband in verschiedene Qualitätsstufen eingeteilt.

Sortierung von Altkleidern in unterschiedliche Qualitätsstufen

Altkleider werden sortiert

Kleidung, die noch tragbar ist, wird gebündelt und entweder an osteuropäische Händler verkauft. Oder die Klamotten werden durch einen Exporteur per Schiff nach Afrika verfrachtet. Die Qualität und Art entscheidet über den Zielort – sehr gut erhaltene Kleidung erzielt einen höheren Marktwert und geht deshalb meist nach Osteuropa, Winterklamotten machen ebenfalls nur dort Sinn.

In beiden Fällen verkauft der Importeur die Ware Altkleider sofort bündelweise an einheimische Textilhändler. Große Umschlagplätze für Alttextilien sind Kaliningrad (Russland) oder Dar es Salaam (Tansania). Von hier aus werden die Kleider – meist wieder von Zwischenhändlern – auf die Märkte der Städte und Dörfer gebracht und von Markthändlern verkauft. Gegebenenfalls werden die Textilien von einheimischen Schneidern bzw. Schneiderinnen vor Ort angepasst und verbessert, bevor sie von den Menschen getragen werden.

Recycling von Altkleidern (Teil 2)

Packmee – Altkleider spenden per Post

Packmee geht mit seinem Konzept neue Wege in der Altkleidersammlung. Im Gegensatz zu den herkömmlichen Kanälen über die Abgabe bei Straßensammlungen, Sammelstellen oder dem Einwurf in Altkleidercontainer, bietet Packmee seinen Nutzern die Versendung ihrer Alkleiderspende per Post an. Im Folgenden berichten wir darüber, wie genau dies funktioniert, was dabei zu beachten ist und an wen die Erlöse aus der Verwertung der Altkleiderspenden gehen.

Wie funktioniert Packmee?

Mit Packmee kann man seine Altkleider per Post spenden

“Wieso sollte ich für den Versand meiner Spende bezahlen? Da gehe ich doch lieber zum nächsten Altkleidercontainer.” wird sich der ein oder andere fragen. Bei Packmee ist der Versand allerdings unter einfach zu erfüllenden Voraussetzungen kostenlos und einen alten Karton zum verschicken der Kleider hat wohl jeder in seinem Haushalt.

Zunächst einmal packt man seine aussortierten Kleidungsstücke also ordentlich und sauber in ein versandfähiges Paket. Um einen kostenlosen Packmee-Versandaufkleber für das Porto zu bekommen, muss man dafür sorgen, dass das Spendenpaket mindestens 5 Kilogramm schwer ist. Ist diese Bedingung erfüllt, druckt man sich den Paketaufkleber einfach aus und klebt ihn auf die Sendung. Für den Altkleiderspender entstehen damit keinerlei Kosten. Nur für den Karton bzw. die Verpackung muss er selbst aufkommen. Anstatt auf eine Straßensammlung zu warten oder die Sachen zum Altkleidercontainer zu bringen, kann das Packmee-Paket auch beim Paketboten abgegeben werden. Oder aber man tritt den Gang zu einer der vielen Filialen von Hermes oder DHL selbst an.

Ablauf der Altkleidersammlung

Ablauf der Altkleidersammlung mit Packmee

Wohin gehen die Erlöse?

Hinter Packmee steht die Kapitalgesellschaft Texforcare GmbH mit Sitz in Mönchengladbach, deren vorrangiges Ziel “das Sammeln und Verkaufen trag- und gebrauchsfähiger Textilien und Schuhe sowie die kostenlose Weitergabe gebrauchter Brillen und Hörgeräte” ist. Ihre Gründer Paul Schmitz und Marco Solá erhoffen sich durch ihr System einen Rückgang der Spenden an (illegal) gewerblich operierende Unternehmen in der Altkleiderbranche, die nur ein gewinnmaximierendes Geschäft betreiben. Es sei erwähnt, dass Texforcare selbst keine gemeinnützige Organisation, sondern ein gewöhnliches Unternehmen mit einer kommerziell ausgelegten Rechtsform ist.

Die Gründer versprechen allerdings in Abgrenzung zu anderen gewerblichen Kleidersammlern, den größten Anteil ihres Gewinns zu spenden und werben mit Begriffen wie Nachhaltigkeit und Transparenz. Nachdem Packmee die Altkleiderspenden erhalten hat, werden diese – wie bei anderen gewerblichen und karitativen Einrichtungen auch – größtenteils an Sortier- bzw. Verwertungsbetriebe verkauft. Im Anschluss gelangen sie auf die Märkte für Gebrauchtkleidung in Osteuropa, Asien und Afrika.

Die daraus entstehenden Gewinne sollen mindestens zu 50% direkt an die Spendenpartner von Packmee – “RTL – Wir helfen Kindern e. V.” und “Care Deutschland-Luxemburg e. V.” überwiesen werden. Je mehr Menschen mitmachten, desto größer der Spendenanteil an den Erlösen. Das Ziel, diesen Anteil schrittweise auf  80% zu steigern, klingt ehrgeizig und sinnvoll. Bleibt abzuwarten, inwieweit das Unternehmen seine Versprechen für die Zukunft einlösen kann. Ihren Jahresabschluss möchte die Firma auf ihrer Website für alle veröffentlichen.

Altkleiderspenden kontrovers bei NDR und ZDF

Zwischen den beiden Reportagen über das Spenden von Altkleidern des NDR bzw. der ARD Die Altkleider-Lüge – wie Spenden zum Geschäft werden (2011) und der des ZDF Die Masche mit den alten Kleidern (2012) liegt nur ein Jahr. Dies kann aber nicht der Grund dafür sein, dass sich die Grundaussagen der beiden Dokumentationen deutlich voneinander unterscheiden. Insbesondere wird die Vorgehensweise bei der Einsammlung der Altkleiderspenden durch karitative Verbände wie dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Malteser Hilfsdienst oder der Caritas anders beurteilt. Der größte Unterschied liegt jedoch in der Bewertung der  ökonomischen und sozialen Auswirkungen von Altkleiderspenden aus wohlhabenden Ländern auf die Empfängerländer in Osteuropa und Afrika.

Die Masche mit Altkleidern

Spenden der Altkleider wird nachgegangen

Die Thesen

Schon der reißerische Titel macht deutlich, was die Botschaft der Dokumentation des NDR sein soll: Ahnungslose Spender würden unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit hinters Licht geführt. Ihre Kleidung käme nicht bei Hilfsbedürftigen an, sondern werde mit Hilfe von Unternehmen wie der SOEX Group bzw. ihrer Tochter EFIBA in Entwicklungsländern skrupellos zu Geld gemacht. Mit dem Altkleiderhandel werde zudem die heimische Textilindustrie in afrikanischen Staaten wie Tansania, wo die Nachfrage nach Altkleidern besonders hoch ist, zerstört. Dies hinge damit zusammen, dass Händler aus Deutschland und anderen Geberländern diese Märkte mit Textilien aus Altkleiderspenden zu konkurrenzlos niedrigen Preisen überfluteten. Dies hätte die einheimische Textilindustrie in den Ruin getrieben, sowie viele Arbeitsplätze und Existenzen zerstört.

Im Bericht des ZDF widerspricht Andreas Voget des Dachverbandes FairWertung, der sich für mehr Transparenz und Verantwortlichkeit beim Sammeln und Verwerten von gebrauchter Kleidung einsetzt, diesem Sachverhalt und betont die ökologische Sinnhaftigkeit von Kleiderspenden. Demnach sei die Wiederverwendung von Altkleidern eine gute Sache, denn die Produktion von neuen Textilien verschlucke Unmengen an Ressourcen und bei der Herstellung müssten viele Chemikalien und Pestizide eingesetzt werden. Aus Abfall neues zu produzieren, hieße auch Abfall zu reduzieren. Die einheimischen Textilbetriebe seien aufgrund der allgemeinen Konkurrenzsituation auf dem Weltmarkt Pleite gegangen – nicht durch den Handel mit Altkleidern. Daneben schaffe der Altkleiderhandel Arbeitsplätze und Erlösquellen, z. B. für Markthändler, Änderungsschneidereien oder 2nd Hand Läden.

Die Reaktionen

Insbesondere die Reportage des NDR veranlasste einige Organisationen aus der Altkleiderverwertungskette dazu, ihre eigene Sichtweise zu diesem Thema klarzustellen. So veröffentlichte der DRK-Bundesverband beispielsweise eine Stellungnahme auf seiner Website, um den Vorurteilen hinsichtlich der “Altkleider-Lüge” entgegenzuwirken. Hierin wird die Wichtigkeit von Altkleiderspenden zur Finanzierung der ehrenamtlichen Arbeit des DRK betont. Auch das DRK beruft sich in seiner Stellungname auf die Studien des Dachverbandes FairWertung und betont neben der Schaffung von neuen Arbeitsplätzen, dass der Altkleiderhandel in Ländern wie Tansania und Kamerun gerade den Armen der Bevölkerung ermögliche, sich vergleichsweise kostengünstig mit guter Bekleidung zu versorgen.

Gleichzeitig wird jedoch darauf verwiesen, dass letztlich jeder einzelne regionale DRK-Verband selbst darüber entscheide, was mit den gespendeten Altkleidern passiert – also in welcher Form diese verwertet werden und wohin genau die daraus gewonnenen Erträge fließen. Dies wird sowohl in der Dokumentation des NDR als auch des ZDF kritisiert, da die Transparenz der Altkleiderspende beim Deutschen Roten Kreuz wie bei anderen Hilfsorganisationen darunter leide, dass Spender nicht ausreichend (z. B. durch eindeutige Beschriftungen auf Altkleidercontainern) über die Verwertung der Textilien informiert würden und jeder Ortsverband etwas anderes damit tue. Das DRK gelobt in seinem Schreiben Besserung und hält seine regionalen Verbände an, das Transparenzproblem durch klare und offene Kommunikation hinsichtlich der Altkleiderverwendung zu entschärfen.