Wer profitiert von Ihrer Altkleiderspende?

Grundsätzlich lassen sich die verschiedenen Altkleider-Sammler in kommerzielle und nicht-kommerzielle (karitative) Organisationen unterteilen. Beide gehen sehr ähnlich vor. Das Entscheidende ist, wie viel der Spendenerlöse am Ende tatsächlich hilfsbedürftigen Menschen zugutekommt.

Mit Altkleidern wird gehandelt und Geld verdient

Ihre Altkleiderspende ist der Ausgangspunkt für einen Wirtschaftszweig, der in Deutschland ca. 750.000 Tonnen Altkleider sammelt, sortiert und handelt. Insbesondere das Sammeln und Sortieren ist arbeitsintensiv und wird nur in seltenen Fällen von ehrenamtlichen Mitarbeiten geleistet. Ihre Altkleider wieder einsatzfähig zu machen, zu transportieren oder fachgerecht zu entsorgen, kostet also Geld. Diese Kosten müssen daher über den Verkauf der Altkleider gedeckt werden.

Unterschiedliche Betreiber von Altkleidercontainer

Unterschiedliche Betreiber von Altkleidercontainer

Durch den Anstieg der weltweiten Nachfrage in den letzten Jahren, hat sich auch der Weltmarktpreis deutlich erhöht. Davon Profitieren können karitative Verbände, Städte und Kommunen sowie viele Recycling-Unternehmen in Deutschland.

Ein Großteil der verwertenden und handelnden Organisationen im Textilrecycling sind Wirtschaftsunternehmen, die Gewinne erzielen wollen und auch realisieren. Aber auch die karitativen Verbände, wie das DRK oder das Kolpingwerk Deutschland, abreiten mehr als kostendeckend. Die Verbände machen mit den Altkleidern Gewinne, die sie wiederum für soziale Projekte nutzen. Städte und Kommunen, die Altkleider sammeln und verwerten, können mit den Überschüssen die Müllgebühren subventionieren oder den Gemeindehaushalt aufbessern. Manche Unternehmen fördern mit den Gewinnen aus dem Altkleidergeschäft ebenfalls soziale Projekt.

Von jedem Kleidungsstück, das gespendet wird profitiert die Umwelt

altkleider verhindern die austrocknung

© prudkov | Shutterstock.com
Altkleider reduzieren die Austrocknung der Böden

Ökologisch gesehen ist dies durchaus sinnvoll, denn alles was wiederverwendet wird, muss nicht neu produziert werden. Insbesondere Baumwolle ist bei der Herstellung sehr ressourcen-intensiv. Neben dem hohen Wasser und Düngerverbrauch bei der Baumwollherstellung, belasten Chemikalien zur Verarbeitung und dem Färben der Stoffe unsere Umwelt. Die Neuproduktion von Kleidung ist daher viel umweltbelastender als der Recyclingprozess von gebrauchten Textilien. Über 50% unserer Kleidung hat nach dem Einwurf in den Altkleidercontainer ein zweites Leben vor sich. Und dieses zweite Leben ist meist sogar länger als das erste Leben hier in Deutschland.

Kleiderkammern verteilen auch Altkleider an Bedürftige

Nur 1-2% der Altkleider werden kostenlos an bedürftige Menschen (z.B. Obdachlose, Asylbewerber) verteilt. Das Aufkommen an Altkleidern in Deutschland ist um ein Vielfaches höher als die inländische Nachfrage. Von diesem Überschuss profitieren Exportunternehmen, die die Kleidung nach Osteuropa, Asien oder Afrika transportieren, um sie dort an lokale Händler zu verkaufen. Erfahren die mehr über den Weg der Altkleider.

Über 60% der kenianischen Bevölkerung trägt Altkleider aus Europa

Altkleiderhändler Afrika

Altkleiderhändler in Afrika

Auf den lokalen Märkten werden Altkleider aus Deutschland zu relativ niedrigen Preisen verkauft. Ein T-Shirt kostet 2 Euro, eine Jeans ca. 5 Euro. Die Marktstände sind meist in Besitz von Frauen, die so ein regelmäßiges Einkommen erziehen können. Ebenso die vielen Änderungsschneidereinen in der unmittelbaren Nähe der Märkte. Schätzungen zufolge, arbeiten insgesamt 200.000 Kenianer im Altkleiderhandel. Es ist demnach davon auszugehen, dass so auch die lokale Wirtschaft von den Exporten mehr profitiert als durch “europäische Billigimporte” unter Druck gerät.

Secondhand-Kleidung ist in ostafrikanischen Ländern völlig normal und ist gesellschaftlich anerkannt wie hier in Deutschland gebrauchte Autos zu kaufen. Auch die kenianische Mittelschicht trägt lieber Altkleider als chinesische Neuware. Neue Kleidung wird nur gekauft, wenn es keine verfügbaren Altkleider gibt, dies ist z.B. bei Kinderkleidung oder Unterwäsche der Fall.